Wie wähle ich ein Unternehmen aus? Kauf von STORE Capital (Teil 1)

Das letzte Investment in einen neuen Wert welches ich getätigt habe, bescherte mir Zuwachs im Depot in Form von Anteilen des amerikanischen REITs STORE Capital. In diesem zweiteiligen Beitrag möchte ich aufzeigen, wie mein persönlicher Prozess abläuft, bis ich zur Entscheidung bei einer Investition komme.

 

 

Wie man es vielleicht nicht machen sollte

Für viele Investmentneulinge stellt sich eine große Frage: Wie suche und wähle ich geeignete Unternehmen aus, die lohnenswert für ein Investment erscheinen? Hierfür gibt es nun natürlich nicht den einen richtigen Weg. Jeder wird diesbezüglich seine eigene Strategie finden bzw. bereits haben. Ein paar der bekanntesten Wege sind aus meiner Sicht dabei die falschen.

 

Nachmachen der Käufe von Betreibern von Social-Media-Kanälen

Da schreibt der Instagrammer: „Bammm. Und wieder knallt Nel Asa um 10 % nach oben. Das Teil läuft einfach, mittlerweile über 150 % im Plus bei mir. So schnell habe ich noch nie Kohle gemacht. Wasserstoff ist einfach die Zukunft. Ich bin überzeugt, das wird ein 100-Bagger!“ Bei dem ein oder anderen setzt im Moment des Lesens derartiger Beiträge der niedere Instinkt ein. Gedanken wie „Mensch, da muss ich doch dabei sein“ oder „Jetzt muss ich schnell sein“ schießen in den Kopf. Hastig wird die Broker-App geöffnet und die Kauforder für Nel Asa (selbstverständlich eine Market-Order) wird eingetippt. Der Kauf wird vom System in Sekunden ausgeführt und ein wohliges Gefühl setzt ein. Endlich ist man bei einer heißen Story vorne mit dabei. Gedanklich werden schon die Gewinne auf dem Verrechnungskonto verbucht.

 

Kann man so machen. Meine Meinung: Sollte man aber nicht. Der imaginäre Käufer hat sich im Beispiel weder mit dem Unternehmen, den Aussichten, noch den Fundamentaldaten oder mit der Charttechnik zum Unternehmen beschäftigt. Das kann gutgehen, aber genauso gut völlig in die Hose gehen. In jedem Fall ist das reines Zocken, aber kein Investieren. Im Übrigen ist dieses Phänomen gar nicht mal so selten. Es ist sowohl auf Instagram, als auch auf Facebook, Twitter oder Blogs anzufinden.

 

In der Psychologie wird dieses Verhalten als Social Proof bezeichnet. Menschen übernehmen die Handlungen anderer Menschen, weil sie der Meinung sind, dass dies ein in diesem Moment angemessenes Verhalten widerspiegelt. Den meisten dürfte das Ganze auch als Herdentrieb bekannt sein.

 

Kaufen und fertig!

Ein weiterer Weg ist, ein interessantes Unternehmen einfach zu kaufen! Hier sind wir einen Schritt weiter wie in Punkt 1. Der Käufer beschäftigt sich in irgendeiner Art und Weise mit dem Geschäftsmodell, schaut sich den Chart an, befindet die Aktie für gut und drückt auf den Kaufen-Button. An was es allerdings noch fehlt ist die Überprüfung der Bewertung des Unternehmens. Es wird gekauft, egal zu welchem Preis.

 

Dieses Phänomen ist vor allem in Facebook-Gruppen sehr verbreitet, in denen man immer wieder die Aussage liest: „Der Einstiegskurs ist auf die Dauer von 10+ Jahren völlig unerheblich!“ Dieser Aussage würde ich in Ansätzen sogar zustimmen, zum überwiegenden Teil allerdings nicht. Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass bei langer Haltedauer in der Summe des Depots ein positiver Ertrag herauskommt. Bei völligem Ignorieren der Unternehmensbewertung kann der Schuss allerdings schnell nach hinten losgehen. Spielen wir das an einem, ich gebe es zu, Extrembeispiel einmal durch.

 

Der Netzwerktechnik-Hersteller Cisco ist aus meiner Sicht ein interessantes Unternehmen. Auch ich bin Miniteilhaber der Firma. Im März 2000, am Höhepunkt der Dot-Com-Blase, war Cisco kurzzeitig das wertvollste Unternehmen der Welt. Die Marktkapitalisierung lag bei etwa 550 Milliarden Dollar, bei einem Umsatz von 19 Milliarden Euro und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar. Das KGV lag damals somit bei über 200!

 

Schauen wir uns den Chart über 30 Jahre an, ist sofort erkennbar, dass ein Einstieg zum damaligen Zeitpunkt keine sonderlich gute Idee war. Der Hochpunkt wurde seit dem Jahr 2000 nicht wieder erreicht.

 

 

Nun könnte man einwenden, dass Cisco ein Extrembeispiel darstellt. Wahrlich ist es aber nicht das einzige Unternehmen, dem es so erging. Als weiteren Extremfall können wir Microsoft anführen. Für viele heute ein No-Brainer. Umsatz und Gewinne steigen unablässig, warum also auf die Bewertung achten. Qualitätsunternehmen sind eben teuer. Auch hier: Vorsicht!

 

Hier ist im Langfristchart ebenfalls die Kerze im Jahr 2000 zu erkennen. Nach dem Kurseinbruch brauchte die Aktie bis zum Jahresende 2015 um den alten Kurs zu überflügeln. Die wenigsten werden solange durchgehalten haben.

 

 

Um langfristig ein erfolgreicher Investor zu werden, sollte die Börsenbewertung also zumindest ein Entscheidungskriterium beim Kauf sein. Ich gebe zu, ich kaufe auch vereinzelt bei hohen Bewertungen. Dann allerdings in kleinen Teilstücken oder per Sparplan um einen Fuß in der Tür zu haben.

 

Nicht mein Kompetenzbereich!

Ein dritter Punkt, der mitunter ins Verderben führen kann: „Da gibt es doch jetzt gerade diese Biotechbude, von der jeder spricht. Man kann von Insidern lesen, dass die kurz vor der Zulassung eines bahnbrechenden Medikaments sind, dass dem Corona-Virus den Garaus macht!“

 

In diesem Fall beschäftigt man sich zwar mit dem Unternehmen, hat aber null Ahnung um was es eigentlich geht. Auf gut Deutsch: Man überschreitet seinen Kompetenzkreis. Auch hier: Es kann gut gehen, es kann aber auch passieren, dass das Investment den Bach runtergeht. Auch hier spielt Social Proof eine entscheidende Rolle.

 

Natürlich sind diese Beispiele sehr plakativ und es gibt viele Variationen davon. Wenn man aber tief in sich hineinhört, sind uns einige dieser Wege sicherlich nicht unbekannt und wir sind sie möglicherweise selbst schon einmal gegangen. Auch ich nehme mich davon nicht aus.

 

Nun möchte ich aber zum Kern des Beitrags kommen, nämlich meiner eigenen Vorgehensweise. Ich möchte gleich vorwegschicken, dass ich mir nicht anmaße, den perfekten Weg zu gehen. Viele Wege führen nach Rom und jeder muss den für sich selbst passenden finden. Auch ist die Vorgehensweise sicherlich nicht bei jedem Unternehmen gleich, ein gewisses Schema ist jedoch immer vorhanden.

 

Als Beispiel nehme ich nun meinen letzten Einzelkauf eines neuen Unternehmens und das war der Kauf von 50 Anteilsscheinen des amerikanischen REITs Store Capital.

 

 

Auswahl der Branche

Am Beginn des Prozesses steht bei mir so gut wie immer die aktuelle Marktentwicklung. Besonders gerne investiere ich in Branchen, die gerade niemand haben will. 2017/2018 waren das die amerikanischen Gesundheitsunternehmen, seit 2018 die Tabakbranche.

 

Momentan werden REITs und BDCs massiv abgestraft. Also liegt es für mich nahe, in diesem Bereich auf die Suche nach neuen Depotwerten zu gehen. Die spannende Frage ist nun: Wie finde ich derartige Branchen oder Einzeltitel? Bei Einzeltiteln ist dies relativ einfach: Legt euch unbedingt eine Watchlist an. Dies kann man meist recht einfach beim eigenen Broker machen oder in einer der unzähligen auf dem Markt erhältlichen Finanzapps. Ich schaue hier täglich kurz über meine Liste und kann so schnell Ausreißer finden. Diese werden dann weiter analysiert. Bei Unternehmen, die ich irgendwann definitiv im Depot haben möchte, kaufe ich auch gerne mal eine „Merkposition“, d.h. ich lege mir einige wenige Stücke ins Depot. So habe ich die Aktie noch besser unter Beobachtung.

 

Wenn es darum geht, ganze Branchen im Blick zu behalten, empfehle ich euch den Stockscreener auf Finviz.com. Hier könnt ihr einfach in der oberen Leiste „Maps“ auswählen und links dann den gewünschten Zeitraum angeben. Im Beispiel unten habe ich einen 1-Jahres-Zeitraum des S&P 500 eingestellt. Hier kann man sofort sehen, dass die Bankenbranche, Industrie und Real Estate schlecht gelaufen sind. Technologie dagegen hatte einen sehr guten Lauf.

 

 

Der Screener von Finviz ist kostenfrei verfügbar. Man kann sich auch kostenfrei registrieren und dann gewisse Dinge speichern. Zwar gibt es auch einen Premium-Service im Abo, der ist aus meiner Sicht aber nicht notwendig.

 

Wenn ihr auf der Suche nach kostenpflichtigen Screenern seit, kann ich euch das Morningstar-Datenpaket von Traderfox empfehlen, welches ich selbst nutze (hier zu finden). Der Preis liegt momentan bei 19 Euro monatlich. Neben Morningstar-Daten zum gesamten Aktienuniversum erhält man hier einen super Screener und fortlaufend aktualisierte Auswahllisten zu einzelnen Investmentstrategien im PDF-Format. Viele der Charts, die ich in meinen Beiträgen nutze, entnehme ich im Übrigen dort. Hier seht ihr ein Beispiel einer solchen Rangliste.

 

 

 

Auswahl der Sub-Branche

Zurück zur Aktienauswahl. Wir haben die abgestratften Branchen identifiziert. Nun wähle ich mir hieraus den Real-Estate-Bereich aus. Auch hier gibt es nun wieder Untersektoren. Nämlich 11 an der Zahl. Nun könnten weir ebenfalls einen Vergleich über verschiedene Screener durchführen. Für den amerikanischen Immobilienmarkt nutze ich allerdings gerne die Homepage des Branchenverbands der amerikanischen REITs (reit.com). Hier gibt es eine monatliche Marktübersicht im PDF-Format . Zu finden sind dort alle benötigten Daten, um eine weitere Auswahl zu treffen.

 

Unter Beachtung der aktuellen Lage treffe ich nun eine Vorauswahl des Untersektors. Am härtesten getroffen wurde die Hotelbranche mit einem Minus von über 50 % (in 2020). Der Bereich ist für mich jedoch uninteressant, da fast alle Hotel-REITs ihre Dividende gestrichen haben und ich auch vor der Corona-Krise diesen Bereich gemieden habe.

 

 

Nicht viel besser erging es dem Bereich Retail mit knapp 49 % Verlust im Jahr 2020. Hier wird es schon interessanter, denn Retail ist nicht gleich Retail. Wir können hier nochmal unterscheiden zwischen Shopping-Centern, Regional Malls und Free Standing.

 

Malls sind für mich momentan außer die Simon Property Group (die ich bereits im Depot habe) nicht attraktiv, da hier die größten Einnahmeeinbrüche zu verzeichnen sind. Dem Bereich Shopping-Center ergeht es auch nicht sonderlich gut, hier sind ebenfalls viele von Schließungen betroffen.

 

REITs, die dem Sektor Free Standing zugeordnet werden, erachte ich als dagegen momentan als durchaus interessant. Hierbei handelt es sich meist um Einzelgebäude, die an eine Vielzahl unterschiedlicher Mieter in verschiedenen Bereichen vermietet sind. Man kann auch sehen, dass der Verlust seit Beginn dieses Jahrs mit 36 % deutlich unter dem Schnitt der gesamten Retail-Branche mit fast 49 % liegt. Dies könnte daran liegen, dass zwar auch „Free-Standing“-REITs mit Schließungen von Geschäften zu kämpfen haben, diese mitunter aber wesentlich moderater ausfallen.

 

Der obigen Liste können wir entnehmen, dass in diesem Bereich acht REITs beheimatet sind. Auch diese sind im Monatsjournal auf reit.com genauer aufgeschlüsselt.

 

 

Auswahl des Einzelunternehmens

Rufen wir die Liste mit den Free Standing-REITs auf, sehen wir, dass es tatsächlich elf Unternehmen sind. Hieran kann man erkennen, dass  nicht immer alle Zahlen stimmen müssen, die von öffentlicher Stelle kommen.

 

 

 

Mit Realty Income finden wir in der Liste einen alten Bekannten, der den meisten REIT-Investoren bekannt sein dürfte, gilt er mitunter doch als der bekannteste Monatszahler in dieser Anlageklasse. Auch ich habe eine Position in O, wie das Unternehmen nach seinem Kürzel auch genannt wird. Aber ich bin ja auch der Suche nach einem neuen Unternehmen für mein Depot.

 

Ziehen wir O ab, bleiben noch 10 Unternehmen übrig. REITs sind für mich ein Ersatz für eine Direktinvestition in Immobilien und sollen einen regelmäßigen Cashflow bieten. Aus diesem Grund möchte ich bei einer Investition in diese Anlageklasse mindestens 5 % Dividendenrendite haben. Somit fallen weitere drei Unternehmen aus der Liste (Agree Realty, Alpine Income Property Trust und Postal Realty Trust). Bleiben noch sieben übrig. Zur Sicherheit möchte ich darüber hinaus eine Marktkapitalisierung von mindestens einer Milliarde Dollar haben. Somit finden sich Getty Realty und Seritage Growth Properties ebenfalls auf der Streichliste. Wir sind damit bei fünf Unternehmen angekommen. Als weiteres Kriterium ist mir, vor allem in der jetzigen Zeit, ein offizielles Kreditrating wichtig. Liegt dieses vor, ist eine Refinanzierung des Unternehmens deutlich einfacher. Somit bleiben letztendlich National Realty Properties, Spirit Realty Capital und STORE Capital übrig. Ziehe ich nun noch einmal meine Watchlist zur Rate, findet sich darin seit längerem STORE Capital. Das ist dann der ausschlaggebende Punkt. Ich habe mein Unternehmen gefunden.

 

 

Wie geht es weiter?

Ich habe euch in diesem Beitrag gezeigt, wie ich vom großen Gesamtmarkt hin zu einer einzelnen Firma komme. Hiermit ist der Prozess jedoch nicht beendet, sondern steht noch immer relativ am Anfang. Ich weiß jetzt welche bzw. welches Unternehmen möglicherweise ein Investment wert sein könnte. Bis zum tatsächlichen Drücken des Kauf-Buttons muss STORE Capital jedoch noch einer genaueren Untersuchung unterzogen werden. Wie ich das mache, zeige ich euch im kommenden Artikel.

 

Das skizzierte Vorgehen eignet sich im Übrigen nicht nur für REITs, sondern kann in leicht abgewandelter Form auch alle Form von Investment angewandt werden.

 

Wie geht ihr bei der Auswahl von Investments vor? Ich freue mich über Kommentare.

 


Quelle der Grafiken und Bilder: Traderfox.de, reit.com

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2 Gedanken zu „Wie wähle ich ein Unternehmen aus? Kauf von STORE Capital (Teil 1)

  1. Friedhelm Antworten

    Hallo Ben,
    bei der Recherche über ein Investment in Reits bin ich auf deinen sehr interessanter Artikel gestoßen. Er zeigt tolle Informationsquellen auf, für die Vorauswahl des geeigneten Reits. Leider konnte ich die “Liste mit den Free Standing-REITs” auf reit.com nicht finden.Bitte um Hilfe!

    LG Friedhelm

    • Beamteninvestor Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Friedhelm,

      im monatlichen Reit-Watch gibt es auch eine Subkategorie mit den Free-Standing REITs.

      Grüße,
      Ben

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