Watchlist für den Oktober 2020

Nachdem die Technologiebörse Nasdaq im September korrigiert hatte, laufen die Kurse im Oktober bereits wieder stark nach oben. Die Angst vor einer neuerlichen Infektionswelle treibt die Gelder wieder raus aus Value und rein in den Sektor, der weiterhin zu funktionieren scheint: Technologie. Zwar sind die Zahlen hier fast durchweg gut, allerdings sind die Bewertungen teilweise mittlerweile jenseits von Gut und Böse. Doch auch in anderen Sektoren finden sich momentan interessante Titel. Heute soll es um zwei Unternehmen gehen, die aus meiner Sicht gerade jetzt einen Blick wert sind.

 

 

1. W.P. Carey

Das Unternehmen ist ein amerikanischer Real Estate Investment Trust (REIT) und ist der Sparte Diversified zuzurechnen.

 

Geschäftsmodell

W. P. Carey wurde 1973 gegründet und hat seinen Sitz in New York. Seit 2012 firmiert das Unternhemen als REIT. Das Portfolio umfasst Immobilien, die sich auf verschiedene Branchen aufteilen wie Büros, Warenhäuser, Logistik, Hotels oder Self-Storage. Darüber hinaus ist der REIT auch regional diversifiziert. 63 % des Umsatzes wird in den USA erzielt, 35 % in Europa. Insgesamt befinden sich über 1.200 Immobilien im Bestand.

 

Quelle: Unternehmenpräsentation

 

Sowohl die Bereiche in denen der REIT tätig ist, als auch die Mieterstruktur ist breit diversifiziert.

 

 

Quelle: Unternehmenpräsentation

 

Die Top 10 der Mieter machen etwa 20 % des Umsatzes aus.

 

Quelle: Unternehmenpräsentation

 

Die Vermietungsquote bei WPC beträgt fast durchweg über 99 %, was sehr stark ist.

 

Quelle: Unternehmenpräsentation

 

Was besonders positiv beim Unternehmen hervorzuheben ist, sind die geringen Mietausfälle infolge der Corona-Pandemie. Während eine Vielzahl an REITs ihre Dividenden aufgrund von Mietausfällen kürzen oder streichen mussten, betragen die Mieteinnahmen von W.P. Carey seit März weiterhin deutlich mehr als 90 %.

 

Fundamentaldaten

Betrachtet man den Zwei-Jahres-Chart ist ersichtlich, dass ein guter Teil des Frühjahresabsturz bereits wieder aufgeholt wurde. Dies verwundert nicht, nachdem sich in der Krise gezeigt hat, dass die Mieteinnahmen weiter regelmäßig fließen.

 

Quelle: Traderfox

 

Trotz dieser Zahlen, wird die Aktie allerdings weiterhin mit einem Abschlag von etwa 30 % vom Hoch im vergangenen November gehandelt. Dem Fastgraph ist zu entnehmen, das für das laufende Jahr zwar mit einem geringen Ergebnisrückgang gerechnet wird, im Vergleich zu anderen Reits ist dieser jedoch marginal und sollte sich im kommenden Jahr wieder stabilisieren.

 

Quelle: Fastgraphs

 

Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei knapp 6,2 % und ist damit im oberen Bereich im Vergleich der letzten Jahre angesiedelt. In den vergangenen 20 Jahren wurde die Dividende um durchschnittlich 4,8 % jährlich gesteigert. Dabei sind die Zahlungen durch die AFFO gut gedeckt.

 

Quelle: Fastgraphs

 

Die Gesamtrendite seit dem Jahr 2000 liegt bei durchschnittlich 10 % jährlich. Mit dem S&P 500 konnte im gleichen Zeitraum lediglich 5,9 % an Rendite erzielt werden.

 

 

 

2. Abbvie

Das zweite Unternehmen ist der US-amerikanische Pharmakonzern Abbvie.

 

Geschäftsmodell

Abbvie ist ein Pharmaunternehmen, das sich besonders auf Bereiche mit hohem medizinischem Bedarf konzentriert. Zu den wichtigsten Forschungsgebieten zählen Hepatitis C, Krebs, Immun-, Nieren- und Nervenerkrankungen sowie Frauengesundheit. Die erfolgreichsten bereits erhältlichen Produkte sind Humira, AndroGel, Lupron, Creon, Synthroid, Synagis, Kaletra und Norvir. Darüber hinaus befinden sich über 20 weitere Medikamente in Phase II- oder Phase III-Stadien der Zulassung. Sie sollen die Therapie von Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer Endometriose oder Schizophrenie unterstützen. Neben den USA unterhält die Firma auch Forschungszentren in Deutschland und China und vertreibt ihre Produkte weltweit.

 

Entstanden ist das Unternehmen erst 2012 als Spin-Off von Abbott Laboratorie, die bereits 1888 gegründet wurden. Mit der Ausgründung entstand gleichzeitig eines der größten Pharmaunternehmen weltweit. Bereits zur Gründung des Unternehmens war das Medikament Humira für den größten Teil der Gewinne verantwortlich. Es handelt sich hierbei um einen Blockbuster zur Behandlung verschiedener Arten der Arthritis, von Morbus Crohn und auch Colitis ulcerosa. Gleichzeitig ist es eines der teuersten Medikamente weltweit.

 

Betrachtet man die Umsätze des Unternehmens, könnte es besser fast nicht aussehen. Bei den Zahlen bis 2012 handelt es sich noch um Umsatzanteile als Teil von Abbott.

 

Quelle: Traderfox

 

 

Als problematisch stellt sich hierbei jedoch die starke Abhängigkeit von Humira dar. Im Jahr 2018 setzte das Unternehmen alleine 20 Milliarden Dollar mit dem Medikament um. Bereits 2019 ist der Patentschutz auf das Medikament in Europa ausgelaufen, was zu Umsatzeinbußen geführt hat. Dann traten sogenannte Biosimilar-Player auf den Markt, die Präperate mit dem gleichen Wirkstoff zu wesentlich niedrigeren Preisen herausbrachten. Das gleiche wird 2023 in den USA passieren, denn dort wird der Patentschutz dann ebenfalls auslaufen. Auch hier wird damit gerechnet, dass der Umsatz für Humira um mindestens 50 % einbrechen wird.

 

Abbvie versucht seit einigen Jahren gegenzusteuern und neben neu entwickelten Präparaten auch durch Zukäufe zu wachsen. Im Juni 2019 teilte der Konzern mit, dass er das plant, das Pharmaunternehmen Allergan zu übernehmen. AbbVie bewertete Allergan in seinem Angebot mit 63 Milliarden Dollar. Die Übernahme erfolgte, nach der Freigabe durch die amerikanische Federal Trade Commission und den irischen High Court am 8. Mai 2020. Allergan ist vor allem als Original-Hersteller von Botox bekannt.

 

Fundamentaldaten

Der Fastgraph sieht auf den ersten Blick so aus, wie man sich das wünscht. Die Gewinnlinie zeigt von links unten nach rechts oben.

 

Quelle: Fastgraphs

 

Im Peer-Group Vergleich wirkt die Aktie von Abbvie relativ günstig. Pfizer notiert derzeit zu einem KGV von 13, Amgen von 15 und Bristol-Myers Squibb von 10,5. Mit einem durchschnittlichen von 13,8 seit der Börsennotierung reiht sich Abbvie da eigentlich ein, liegt momentan jedoch deutlich darunter. Der Markt scheint hier also die Risiken eingepreist zu haben.

 

Als problematisch könnte sich die Verschuldung des Unternehmens erweisen. War diese schon von der Übernahmen von Allergan hoch, ist sie nun nochmals gestiegen. Die Eigenkapitalquote liegt nur noch bei 10 %.

 

Quelle: Traderfox

 

Seit der Börsennotierung 2013 konnte man mit einem Investment in Abbvie jährlich 16,1 % verdienen. Im Vergleich erreichte der S&P 500 im gleichen Zeitraum eine Rendite von 13,5 %.

 

 

Quelle: Fastgraphs

 

Die durchschnittliche Dividendenerhöhung seit 2013 beträgt schier unglaubliche 41 % jährlich. Diese Daten sind allerdings verzerrt durch die Jahre 2013 und 2018. Realistisch wird sich dies so nicht fortsetzen, zumal das Unternehmen seinen Fokus auf den Schuldenabbau lenken sollte. Die aktuelle Rendite liegt bei knapp 5,5 %.

 

Ein Investment in Abbvie ist sicher nicht ohne Risiko. Vor allem die nächsten Jahre und die Zeit “nach” Humira werden entscheidend sein, für die weitere Zukunft. Aus meiner persönlichen Sicht sind diese Risiken mittlerweile allerdings ausreichend eingepreist.

 

Das war es für diesen Monat mit der Watchlist. Ich selbst bin bereits seit längerer Zeit in beide Unternehmen investiert. Wie ist eure Meinung zu den vorgestellten Werten? Ich freue mich über eure Kommentare.

 


Quelle der Grafiken und Bilder: Unternehmenswebsites, Fastgraphs.com, Traderfox.de

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