Nicht noch ein Finanzblog?

Finanzblogs gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Gefühlt schießt jeden Tag ein neuer aus dem Boden. Dabei ist das Thema Finanzen in Deutschland überwiegend ein Geheimnis. Getreu dem Motto „über Geld spricht man nicht“ belässt der deutsche Michel sein hart erspartes auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto vergammeln und bezeichnet Aktien als „Teufelszeug“. Das zeigt, dass die Nische, in der man sich mit einem Finanzblog bewegt doch sehr klein ist. Warum muss ich mich jetzt also auch noch einsortieren in den Reigen der reichlich vorhandenen Finanzblogger? Diese Frage habe ich mir länger gestellt und bin ursprünglich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich nicht mehr wirklich einen Mehrwert bieten kann. Das Projekt wurde also zunächst begraben. Aus Spaßgründen hatte ich dann im Oktober 2019 einen Instagram-Account gestartet, in dem ich über meine Strategie, Investments und meinen monatlichen Cashflow schwadroniere. Und siehe da: es war Interesse daran vorhanden.

Im Jahr 2016 hatte ich entschieden, mich voll und ganz dem Thema Börse und Investieren hinzugeben. Diese Entscheidung, gepaart mit der totalen Fokussierung aller meiner Ersparnisse auf den Aktienmarkt hat dafür gesorgt, dass ich in relativ kurzer Zeit relativ viel Geld investiert habe. Hierbei scheine ich einen Nerv getroffen zu haben, was sich an den reichlichen Nachfragen nach meinem Vorgehen und meiner Strategie manifestiert. Und so bin ich jetzt doch an den Punkt gekommen: Doch, noch ein Finanzblog!

Aber die Geschichte geht ja noch viel früher los. Wie kam es zu der Entscheidung, den bösen Weg des Kapitalismus einzuschlagen und zu einem Investor zu werden, der sein Kapital vermehrt, indem er andere Leute für ihn arbeiten lässt. Here we Go!

 

Die Versicherungsfalle

Im Jahr 2003, gerade 20 Jahre alt geworden, begann meine Laufbahn im öffentlichen Dienst. Noch grün hinter den Ohren begab ich mich vor Beginn meines Studiums im gehobenen Verwaltungsdienst in die Fänge eines Bekannten der für einen bekannten Strukturvertrieb arbeitete. Weil sich alles gut anhört, wenn man keine Ahnung hat, habe ich dann auch so gut wie alles abgeschlossen was ging. Bausparvertrag, Riester-Rente und Berufsunfähigkeitsversicherung mit Kapitallebensversicherung.

Nun möchte ich nicht den Fehler begehen und alle genannten Produkte an dieser Stelle verteufeln. Hier muss jeder seine eigene Berufs- und Lebenssituation im Auge haben und sich seine eigenen Gedanken hierzu machen. Je nach Lage, können einzelne Versicherungen oder Sparprodukte durchaus Sinn machen. In meiner damaligen Lebenssituation, also pleite, ungebunden und keiner Ahnung was das Leben so bringen würde war für mich das meiste im Nachhinein totaler Schwachsinn. Zum damaligen Zeitpunkthatte ich einfach keinen Plan, was mich das ganze kosten würde und richtig beschäftigt habe ich mich auch nicht damit. Hätte ich damals schon verstanden, dass es sich um gezillmerte Verträge handelt (Verträge in denen die ersten Jahresprämien zum Großteil in Abschlussgebühren und Provisionen des Vermittlers wandern), wäre ich vorsichtiger gewesen. Selbst schuld kann ich heute nur sagen.

 

Studien- und Versuchsjahre

Während des Zeit des Studiums und danach war die Beschäftigung mit dem Thema Finanzen so gut wie nicht vorhanden. Allenfalls das gähnende Loch auf dem Konto am Ende des Monats hätte mir anzeigen sollen, dass hier wohl einiges im Argen liegt. Nach dem Studium zog es meine Lebensgefährtin und mich nach Freiburg. Das Leben in der Stadt sorgt nun nicht zwingend dafür, dass der Lebensstandard günstig bleibt. Nach zwei schönen Jahren entschlossen wir uns, in die Heimat (nördliches Baden-Württemberg) zurückzukehren.

Neben der Arbeit lag mein Hauptaugenmerk während dieser Zeit auf dem beruflichen Fortkommen. In meiner Freizeit absolvierte ich ein Masterstudium. Diese habe ich 2015 erfolgreich abgeschlossen und konnte in der Folgezeit auch vom gehobenen Dienst in den höheren Dienst aufsteigen.

Im Jahr 2012 kam für uns zum ersten Mal das Thema Hausbau auf die Agenda. Zwar haben wir diesen zum damaligen (noch) nicht realisiert, mit seinen Finanzen beschäftigt man sich dann allerdings automatisch. So ein Eigenheim will schließlich finanziert und bezahlt werden. Zum damaligen Zeitpunkt hatte meine Konsumphase glücklicherweise schon zu großen Teilen überwunden, so dass sich dann auch das Geld anfing anzusammeln. Etwa ab dem Jahr 2014 begannen die Überlegungen, was man mit seinem Geld denn wohl so anfangen könnte, außer es auf dem Konto liegen zu lassen.

Also ging die Phase der Informationssuche los. Die Google-Suche „Geld vermehren“ führt zu etwa 6,5 Millionen Ergebnissen. Hierunter sind viele Ideen, die sich für Menschen die einigermaßen bei Trost sind, schnell als nicht praktikabel herauskristallisieren.

Thema Nummer 1, mit dem auch jeder was anfangen kann sind Immobilien. Jeder wohnt schließlich irgendwo und kann sich darunter was vorstellen. Für mich war das allerdings nicht. Von Natur aus mit zwei linken Händen ausgestattet (Schreibtischtäter) traute ich mir das ganze einfach nicht zu. Zumal ja auch erstmal ein Eigenheim gebaut werden sollte, bevor wir Wohnraum zu Investitionszwecken erwerben.

Also dann, Thema Nummer 2: Die Börse. Hat auch schon jeder mal was davon gehört. Bis dahin hatte ich mich in die Mitte der Gesellschaft eingereiht und die mantraartigen deutschen Aussprüche mitgeblöckt: „Alles Zocker an der Börse“, „wenn du dein Geld verbrennen willst, dann mach mal Börse“ oder der Klassiker „bevor ich mein Geld an der Börse anlege, gehe ich lieber ins Kasino“. Aber halt, man hat ja im geisteswissenschaftlichen Studium (vielleicht ist doch nicht ganz umsonst) gelernt, einen wissenschaftlichen Zugang zum Thema zu finden.

Kann die Börse also wirklich eine reine Geldverbrennungsmaschine sein? Kann sie nicht, das sollte schnell klarwerden. Irgendwie muss man damit Geld verdienen können. Wäre das nicht der Fall würde es keine Börsen geben. Keiner wäre bereit, sein Geld dauerhaft einfach zum Fenster rauszuwerfen. Also was dann? Können nur die ganz großen gewinnen, die so schlau sind alle kleinen abzuzocken. Auch da kann irgendwas nicht stimmen, sonst würden eine Handvoll Leute das ganze unter sich ausmachen. Das Ziel war also, den heiligen Gral zu finden.

 

Der Weg zum Börsenverrückten

Um es gleich vorweg zu nehmen. Ich habe ihn natürlich nicht gefunden. Denn wenn es so wäre, würdet ihr jetzt sicher nicht diesen Artikel lesen. Es gibt ihn auch schlicht und ergreifend nicht.

In den letzten fünf Jahren habe ich mich nun aber sehr intensiv mit den Themen Finanzen, Börse, Aktien und Investieren beschäftigt. Meine Frau (noch die gleiche wie weiter oben) attestiert mir mittlerweile eine regelrechte Obsession. Ich nenne es einfach ein geiles Hobby, was nebenbei auch noch Geld einbringen kann. Jeden Tag passiert etwas Neues, es wird nie langweilig. Ich sauge alles was ich finde wie ein Schwamm auf. Neben dem Lesen einer mittlerweile dreistelligen Anzahl Bücher zu den Themen empfinde ich mittlerweile sogar das Lesen von Geschäftsberichten als spannend.

In den letzten fünf Jahren habe ich alle liquiden Mittel in den Aktienmarkt gepackt. Die Versicherungen wurden ausgemistet und gekündigt. Die hierbei verlorenen Beträge habe ich als Lehrgeld abgehakt (oder wie der Fachmann sagen würde: als Opportunitätskosten verbucht). Die vorhandenen Gelder wurden bis auf die Notfallreserve investiert. Dieses Vorgehen hat dafür gesorgt, dass ich in kurzer Zeit einiges an Geld investieren konnte. Darüber hinaus bin ich der Ansicht, dass meine Arbeitstätigkeit als Beamter auf Lebenszeit im öffentlichen Dienst einige unschätzbare Vorteile bietet, die das Investieren um einiges erleichtern. Darum ist es aus meiner Sicht umso schlimmer, dass gerade innerhalb des öffentlichen Dienstes das Thema Investieren derart verpönt ist.

In diesem Blog möchte ich euch auf meinem Weg mitnehmen, meine Ziele und mein Vorgehen erläutern und euch vor allem hoffentlich einen Mehrwert bieten. Vielleicht schaffe ich es, nicht nur „noch ein Finanzblogger“ zu werden. Ich möchte euch animieren, das Investieren selbst in die Hand zu nehmen und Spaß daran zu finden.

Wenn ihr Anregungen oder Fragen habt freue ich mich über jeden Kommentar oder über persönliche Nachrichten.


Alle Artikel auf beamteninvestor.de stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Die Informationen geben lediglich einen Einblick in die Meinung des Autors.

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