Neues Unternehmen im Depot: Tyler Technologies

Tyler Technologies

Softwareunternehmen

Sitz USA
Marktkapitalisierung 13,63 Milliarden Dollar
Enterprise Value 13,78 Milliarden Dollar
Verschuldung 150 Millionen Dollar
Dividendenrendite 0,00 %
Datum 17.06.2020

 

Auf meiner Watchlist finden sich seit einigen Jahren mehrere Unternehmen, die kurstechnisch nur einen Weg kennen – nach oben. Bei einigen habe ich nie einen Einstieg gefunden und mehrere Jahre auf eine passende Gelegenheit gewartet, die sich nicht immer ergeben hat. Meist handelt es sich dabei um Wachstumswerte, die einfach nicht auf mein Wunschniveau fallen wollen. Derweil sind die Kurse in den vergangenen Jahre weiter weggelaufen. Nachdem in den letzten Monaten bereits Werte wie Danaher, Markel, Fiserv oder Arista Networks ein Zuhause in meinem Depot gefunden haben wurde jetzt noch ein Platz besetzt und zwar durch Tyler Technologies. Das Unternehmen dürfte den meisten unbekannt sein, zumindest habe ich im deutschsprachigen Raum noch nie davon gelesen. Das möchte ich nun ändern und erläutere, warum in bei der Firma eingestiegen bin.

 

Geschäftsmodell

Tyler wurde im Jahr 1966 gegründet und hat seinen Sitz in Plano, Texas unweit von Dallas. Gegründet wurde das Unternehmen von Joseph F. McKinney, der ursprüngliche Name der Firma war Saturn Industries. 1968 wurde Tyler Pipe übernommen, ein Hersteller von Eisenrohren. Der Unternehmenszweig wurde schnell zur Haupteinnahmequelle, sodass sich der Name der Firma später in Tyler Corporation änderte. Im Jahr 1969 ging Saturn Industries an der NYSE an die Börse und wurde dann 1970 in Tyler Corporation umbenannt.

 

Bis zum Jahr 1998 war Tyler als Holddinggesellschaft dann mit mehreren Industrie-, Einzelhandels- und Vertriebsunternehmen tätig. Während der 70er bis 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erfolgte eine Vielzahl von Unternehmenszu- und verkäufen. Im Jahr 1987 wurde mit 10.000 Mitarbeitern ein Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

 

1997 änderte Tyler sein Geschäftsmodell radikal und startete einen mehrstufigen Plan, der den Fokus des Unternehmens komplett änderte. Ab diesem Moment wurde Informationssoftware an staatliche Behörden vertrieben. Das Unternehmen änderte seinen Namen in Tyler Technologies und trat mit einer Reihe strategischer Akquisitionen von Unternehmen in den lokalen Softwaremarkt ein. Im Jahr 2020 ist Tyler Technologies das größte Unternehmen des Landes, dass sich ausschließlich der Bereitstellung von Software und Dienstleistungen für den öffentlichen Sektor widmet, einschließlich Lösungen für staatliche, regionale und lokale Behörden sowie Gefängnisse und Schulen.

 

Das Unternehmen wächst unter anderem durch die Übernahme und Integration kleinerer Softwareunternehmen. Das Besondere hierbei ist, dass Tyler trotz der vielen Übernahmen praktisch schuldenfrei ist. Seit 1998 wurden 32 Unternehmen übernommen:

 

  • Business Resources Corporation (BRC) in Minneapolis, MN and Interactive Computer Designs, Inc. (Incode) in Lubbock, TX, and The Software Group, Inc. in Plano, TX (1998).
  • Eagle Computer Systems, Inc. in Eagle, CO, Micro Arizala Systems, Inc. (Fundbalance) in Ann Arbor, MI, Process Incorporated d/b/a Computer Center Software (Munis) in Falmouth, ME, Gemini Systems (a subsidiary of Essex Technology Group, Inc. in Rochelle Park, NJ), and Cole Layer Trumble Company (CLT) in Dayton, OH (1999).
  • Eden Systems, Inc. in Renton, WA and GBF Information Systems in Portland, ME (2003).
  • MazikUSA, Inc. (Mazik Global, Inc.), in Park Ridge, IL and TACS, Inc. in Indianapolis, IN (2006).
  • Advanced Data Systems, Inc. in Paramus, NJ , EDP Enterprises, Inc. in Longview, TX, and Chandler Information Systems in Cameron, TX (2007).
  • Versatrans in Latham, NY, Olympia Computing Company, Inc. in Olympia, WA, and School Information Systems in St. Louis, MO, Inc. (2008).
  • PulseMark, LLC in St. Louis, MO, Assessment Evaluation Services, Inc. in San Diego, CA, and Parker-Lowe & Associates in Ocracoke, NC (2009)
  • Wiznet, Inc. in Delray Beach, FL (2010).
  • Yotta MVS Inc. in Kansas City, MO and Windsor Management Group (Infinite Visions) in Tempe, AZ (2011).
  • Akanda Innovation, Inc. in Toronto, Ontario, Canada, UniFund, LLC in Nashua, NH, Computer Software Associates, Inc. in Billings, MT, and EnerGov Solutions in Duluth, GA (2012).
  • SoftCode, Inc. in Marlborough, MA (2014).
  • Brazos Technology Corporation in College Station, TX and New World Systems in Troy, MI (2015).
  • ExecuTime Software, LLC in Tulsa, OK (2016).
  • Modria Inc. in San Jose, CA, Digital Health Department, Inc. in Charlotte, NC, and Radio 10-33 in Plymouth, MN (2017).
  • Socrata in Seattle, WA, Sage Data Security, LLC in Portland, ME, CaseloadPro in Modesto, CA, MobileEyes of Troy, MI and Atlanta, GA, and SceneDoc in Mississauga, ON (2018).
  • MicroPact in Herndon, VA, and MyCivic in Seal Beach, CA (2019).

 

Tyler Technologies verfügt über 35 Büros in 17 Bundesstaaten sowie eines in Toronto in Kanada. Insgesamt arbeiten etwa 5.500 Mitarbeiter für das Unternehmen, davon mehr als 1.150 Softwareentwickler. 33 % der Mitarbeiter von Tyler haben zuvor bereits in der öffentlichen Verwaltung gearbeitet, kennen also die Sorgen und Nöte des Sektors. Größter Kunde ist das County of Los Angeles mit 10 Millionen Einwohner, der kleinste ist Loving County in Texas mit 134 Einwohnern. Insgesamt werden über 8.600 Kunden bedient, wobei 21 der 25 größten Counties der USA sowie 17 der 25 größten US-Städte zum Kundenstamm zählen. 98 % aller Kunden verlängern auslaufende Verträge. Dies verwundert nicht, da ein Wechsel mit hohen Kosten verbunden ist. Alleine Collin County in Texas nutzt 13 verschiedene Produkte von Taylor.

 

Bereits im Jahr 2000 hatte Tyler erstmalig cloud-basierte Softwarelösungen im Portfolio. Insgesamt 9 Jahre war das Unternehmen bereits in der Forbes Liste der “Best Small Companies” und 8 Jahre in der Barron`s Liste “Most Promising Companies in America” zu finden. Seit dem 4. Quartal 2010 wurde jedes weitere Quartal mit einem Umsatzwachstum abgeschlossen.

 

Die Produkte des Unternehmens umfassen insgesamt sechs Kategorien: Bewertungs- und Steuersoftware und -dienstleistungen, integrierte Software für Gerichte und Justizbehörden, Finanzsoftwaresysteme, Planungs- / Regulierungs- / Wartungssoftware, Software für die öffentliche Sicherheit, Softwarelösungen für die Verwaltung von Aufzeichnungen / Dokumenten und Transportsoftwarelösungen für Schulen. In jeder der Kategorien finden sich jeweils eine Vielzahl von Produkten. Insgesamt laufen derzeit mehr als 26.000 Installationen an 10.000 Standorten mit Kunden in allen 50 Bundesstaaten der USA, in Kanada, der Karibik, Australien und anderen internationalen Standorten.

 

Fundamentaldaten

Die Fundamentaldaten sehen bei Tyler gelinde gesagt fantastisch aus. Fangen wir an mit dem Umsatz: Der größte Umsatzanteil resultiert aus dem Teilbereich ERP / Finanzsoftware mit 44 % Anteil am Gesamtkuchen, gefolgt von Produkten für Gerichte und die öffentliche Sicherheit. Am beeindruckendsten ist hierbei jedoch, dass der Prozentsatz der wiederkehrenden Umsätze gemessen am Gesamtumsatz bei über 70 % liegt. Wie weiter oben schon ausgeführt, sind die Wechselkosten sehr hoch. Dies führt dazu, dass fast alle Kunden bleiben, wenn sie einmal bei Tyler sind. Dies führt natürlich zu einem sehr gut planbaren Cashflow, was die Investoren lieben.

 

 

 

 

Das durchschnittliche Umsatzwachstum seit dem Jahr 2002 liegt bei etwa 13 %. Beachtenswert ist, dass 11 % hiervon durch organisches Wachstum zustande kommen und lediglich 2 % aus zugekauften Firmen resultiert.

 

 

 

 

Auch die weiteren Aussichten können sich sehen lassen. Jede Woche kann Tyler Technologies etwa 20 neue Kunden generieren. Man geht davon aus, dass dieses Wachstum weiter anhalten wird.

 

 

 

 

Warum ist man bezüglich des Wachstums so positiv gestimmt? Der Markt ist definitiv vorhanden. Die unten stehende Grafik zeigt, dass noch zwei Drittel des Gesamtmarktes mit nicht wettbewerbsfähigen und veralteten Systemen arbeitet. Diese sind im Schnitt über 20 Jahre alt und absolut nicht mehr zeitgemäß. Genau hier möchte das Unternehmen ansetzen und sieht gute Chancen, auch zukünftig viele neue Kunden gewinnen zu können.

 

 

 

 

Wie bereits angesprochen, konnte sein 2010 in jedem Quartal ein steigender Umsatz verzeichnet werden. Dieser ist von 2010 bis 2019 um insgesamt 278 % gestiegen. Gleichzeitig ist der Free Cashflow jedoch um sagenhafte 571 % gestiegen.

 

 

 

 

Kurstechnisch ist das Unternehmen eine Rakete. Im Langfristchart über 30 Jahre ist erkennbar, dass der Kurs nach dem Tief (nach Platzen der Dot-Com-Blase) von 1,12 Dollar auf über 382 Dollar bis ins Jahr 2020 gestiegen ist. In den letzten 10 Jahren betrug das jährliche Kursplus im Durchschnitt 35,3 %. Aus 1.000 investierten Dollar im Jahr 1990 wären bis heute fast 97.000 Dollar geworden. Der Corona-bedingte Kursverlust wurde nach kürzester Zeit wieder aufgeholt und es wurden bereits wieder eine Reihe neuer Allzeithochs erreicht.

 

 

 

 

Im Tradefox-Qualitätscheck (der im übrigen hier kostenlos genutzt werden kann) erreicht die Aktie 15 von 15 Punkten.

 

 

 

Im Fastgraph ist erkennbar, dass der Gewinn in diesem Jahr nach Analystenschätzungen stagnieren soll. Sollte dies tatsächlich so eintreffen, wäre das im aktuellen Umfeld allerdings eine starke Leistung.

 

 

 

Also, eigentlich eine perfekte Aktie zum Kaufen? Zwei Wermutstropfen gibt es dann schon. Punkt 1 ist die Bewertung. Ja, Qualität hat ihren Preis. Im Falle von Tyler wird diese jedoch sehr teuer bezahlt. Das erwartete KGV für dieses Jahr liegt bei etwa 64. Das ist mehr als teuer und liegt auch weit oberhalb der Bewertungen wie beispielsweise der von Microsoft, welche am Markt bereits oft als überzogen angesehen wird. Auf der Watchlist habe ich das Unternehmen seit Mitte 2017. Zum damaligen Zeitpunkt lag das KGV bei etwa 55. Nur Ende 2018 oder während des Corona-Crashs gab es sehr kurze Phasen, in denen die Firma günstiger zu haben war. Leider hatte ich in diesen Momenten immer andere Aktien auf dem Schirm.

 

Der zweite Punkt ist, dass keine Dividende gezahlt wird. Wie bekannt ist, bin ich Investor mit Fokus auf Cashflow. Das Unternehmen ist bereits über 50 Jahre alt, eine Dividende wurde lediglich Ende der 1980er Jahre mal gezahlt. Ob es sich hierbei um Sonderausschüttungen oder reguläre Zahlungen handelte, lässt sich leider nicht mehr ohne weiteres nachvollziehen. Es kann auch nicht damit gerechnet werden, dass zukünftig eine Zahlung erfolgen wird.

 

 

Fazit

Trotz hoher Bewertung und der Tatsache, dass es keine Dividende gibt, bin ich eine Position bei Tyler Technologies eingegangen. Ich bin der Ansicht, dass das Geschäftsmodell eine dauerhaft starke Zukunft hat. Natürlich kann es passieren, dass der Kurs längere Zeit stagniert oder es auch einmal zu einem starken Rücksetzer kommt. Die letzten Jahrzehnte war dies allerdings nicht der Fall.

 

Gemäß meiner Strategie habe ich einen kleinen Anteil in das Unternehmen investiert. Bei Wachstumsunternehmen ohne Dividende sind keine Aufstockungen mehr geplant. Sollten sich die Aussichten nicht fundamental verschlechtern ist stures Buy & Hold vorgesehen. Gekauft habe ich 5 Aktien zu je 341,07 Dollar, in Summe etwa 1.500 Euro.

 

Was haltet ihr vom Unternehmen? War euch die Firma bereits ein Begiff? Ich freu mich über Kommentare.

 


Quelle der Grafiken und Bilder: Unternehmenswebsite, Fastgraphs.com, Traderfox.de

Alle Artikel auf beamteninvestor.de stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Die Informationen geben lediglich einen Einblick in die Meinung des Autors.


Buchempfehlungen zu den Themen des Beitrags*:

 

 


Bei denen mit einem *Stern gekennzeichneten Links handelt es sich um Affiliate Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ist der Preis genau der gleiche wie bei einem Direktkauf. Ihr habt durch die Benutzung des Links keine Nachteile, unterstützt aber meine Arbeit auf diesem Blog.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.