Investieren in die Schaufelverkäufer – Der Börsenplatzbetreiber Nasdaq Inc.

Wer in seiner Jugend gerne die Lustigen Taschenbücher aus dem Hause Disneys gelesen hat weiß, wie Onkel Dagobert zu seinem unfassbaren Reichtum gekommen ist: Während der Zeit des großen Goldrausch am Klondike River findet er eine größere Menge des Edelmetalls und legt so den Grundstein zu seinem Vermögen.

 

Die Geschichte ist dabei nicht frei erfunden, sondern beruht durchaus auf wahren Begebenheiten. Den Klondike-Goldrausch gab es wirklich. Im Jahr 1896 hielten mehr als 100.000 Goldsucher Einzug im dortigen Gebiet. Bis heute wurden dort rund 570 Tonnen Gold gewonnen. Einige der Goldsucher wurden reich, viele verloren ihr Geld wieder und eine große Anzahl zog irgendwann verarmt wieder ab. Wie bei allen Goldräuschen gab es aber auch hier eine Gruppe, die immer Geld gemacht hat: Die Händler, die Schaufeln und Spitzhacken verkauft haben. Jeder Goldgräber ist auf Ausrüstung angewiesen. Darüber hinaus geht Werkzeug oft kaputt und muss repariert werden. Die Händler gewinnen dabei immer, da sie an der richtigen Stelle der Wertschöpfungskette sitzen. Aus dieser Erkenntnis stammt auch die viel zitierte Börsenweisheit: Suche nicht nach dem einen Goldnugget, sondern investiere in die Schaufelverkäufer!

 

Genau um so einen Schaufelverkäufer soll es in diesem Artikel gehen. Während Anleger eine Aktie im Jahr 1980 im Schnitt noch 10 Jahre im Depot hielten, ist diese Zeitspanne bis ins Jahr 2019 auf nur noch 0,8 Jahre bzw. 9,6 Monate gesunken. Die Handelsvolumina an den weltweiten Börsen sind seit den 1980er Jahren logischerweise so deutlich gestiegen. Im Jahr 2019 lag das Volumen der weltweit gehandelten Aktien bei knapp 120 Billionen Dollar.

 

Im Jahr 2019 war die amerikanische Nasdaq gemessen am Handelsvolumen mit Aktien die größte Börse der Welt. Hier wurden im Laufe des Jahres Papiere im Wert von 15,9 Billionen Dollar gehandelt. Damit lag die Nasdaq erstmals auf Platz 1 der Rangliste und verdrängte die New York Stock Exchange (NYSE) vom Thron. Die nachfolgende Grafik zeigt die größten Börsen nach Handelsvolumen im Jahr 2019.

 

Quelle: eigene Darstellung

 

Nur zur Vergleichbarkeit und Verdeutlichung der Dimensionen ist die Deutsche Börse AG mit aufgeführt. Diese findet sich erst auf Platz 13 der Rangliste und ist international relativ unbedeutend.

 

Im nachfolgenden soll es um den Platzhirsch dieser Liste gehen.

 

Nasdaq Inc.

 

Nasdaq Inc.
Börsenbetreiber
Sitz USA
Marktkapitalisierung 23,5 Milliarden Dollar
Dividendenrendite 1,4 %
Tickersymbol NDAQ
WKN 813516
Datum 20.02.2021

 

Unternehmensgeschichte

Die Nasdaq wurde im 1971 von der NASD (National Association of Securities Dealers) gegründet. Der Name NASDAQ steht dabei als Abkürzung für National Association of Securities Dealers Automated Quotations. Der erste Handel fand am 08.02.1971 statt. Damit war der erste voll-elektronische Marktplatz geschaffen. Gleichzeitig begann die Anzeige von Börsenkursen im NASDAQ-Composite. In den ersten Jahren des Bestehens wurden allerdings vor allem OTC-Geschäfte (over-the-counter), also außerbörsliche Handelsgeschäfte, durchgeführt.

 

Die Tatsache, dass der Handel elektronisch abgewickelt wurde sorgte in den Folgejahren für einen großen Zufluss an wachstumsstarken Technologieunternehmen. So notierten dort bald Firmen wie Oracle, Cisco, Microsoft oder Apple an der Nasdaq. 1985 wurde schließlich der NASDAQ-100-Index eingeführt, der schnell wachsende Unternehmen beinhalten sollte.

 

Im Jahr 1992 unterzeichnete der Nasdaq Stock Market dann eine Partnerschaft mit der London Stock Exchange (LSE) um den ersten interkontinentalen Wertpapierhandel zu ermöglichen. Im Jahr 2000 gliederte die NASD den Nasdaq Stock Market schließlich aus und gründete eine Aktiengesellschaft. In den Jahren 2000 und 2001 verkaufte die NASD, die heute als FINRA (Financial Industry Regulatory Authority) firmiert, ihre Anteile. Am 02.07.2002 erfolgte der Börsengang des Unternehmens als Nasdaq Inc.

 

Im Jahr 2006 wurde der Status des Nasdaq Stock Market von einer Börse zu einer lizenzierten nationalen Wertpapierbörse geändert. 2007 fusionierte Nasdaq mit OMX, einem führenden Börsenbetreiber in den nordischen europäischen Ländern, erweiterte seine globale Präsenz und änderte seinen Namen in Nasdaq OMX Group. In der Folgezeit wurde der Firmenname jedoch wieder in Nasdaq Inc. geändert.

 

Heute ist das Unternehmen einer der größten Börsenbetreiber der Welt. Im Jahr 2019 nach Handelsvolumen, wie wir oben gesehen haben, sogar der größte. Der Hauptsitz des Unternehmens ist New York. Zur Konzerngruppen gehören auch die Börsen in Stockholm, Helsinki und Kopenhagen wie auch die drei baltischen Börsen in Riga, Tallin und Vilnius. Im Kern des Geschäftsfeldes steht das Betreiben von Börsenplattformen, weswegen Technologie die Basis für alle Geschäftszweige ist. Das Unternehmen vereinnahmt Börsengebühren über Transaktionen, generiert Erträge aus dem Listing von Unternehmen und die Bereitstellung von Informationen über unterschiedliche Plattformen.

 

Das Geschäftsmodell

Jetzt wollen wir uns ansehen, wie das Unternehmen sein Geld genau verdient.

 

Die Firma teilt ihren Geschäftsbetrieb in vier Teilbereiche ein: Investment Intelligence, Market Technology, Corporate Platforms und Market Services.

 

 

Quelle: Unternehmenspräsentation

 

Die Nasdaq agiert in ihrem Bereich als oligopolistisches Unternehmen. Der Markt für Börsenplatzbetreiber unterliegt sehr hohen Eintrittsbarrieren. So verwundert es nicht, dass nur wenige Betreiber am Markt sind. Der Sektor ist stark reguliert und die vorhandenen Player, die das Vertrauen der Kunden genießen, lassen wenig Raum für neue Marktteilnehmer.

 

Das Unternehmen ist nicht so abhängig vom täglichen Handelsvolumen an den Börsen, wie man meinen möchte. In der Grafik unten ist ersichtlich, dass der Großteil der erzielten Umsätze aus den nicht-handelsorientierten Segmenten der Firma stammen. Im Geschäftsjahr 2020 kamen insgesamt 73 % der Umsätze aus diesen Segmenten. Ein großer Anteil dieser Einnahmen sind wiederkehrend und werden teilweise als Abonnement-Leistung angeboten. Der Cashflow des Unternehmens ist also von der Volatilität und den Handelsvolumina an der Börse nur wenig betroffen.

 

Quelle: Unternehmenspräsentation

 

 

Der Geschäftsbereich Corporate Platforms kümmert sich um Unternehmen, die einen Börsengang planen, während das Segment Investment Intelligence Gebühren für die Lizenzierung der Nasdaq-Indizes erhebt und darüber hinaus Analysen und Marktdaten bereitstellt. Unternehmen, die Indizes der Marke Nasdaq, zugehörige Derivate und Finanzprodukte (z. B. einen ETF auf den Nasdaq 100) anbieten möchten, müssen dem Unternehmen wiederkehrende Gebühren zahlen.

 

Das Segment Market Technology umfasst vor allem Software as a Service (SaaS) Leistungen aus den Bereichen Risikomanagement und ähnlichen Cloud-Dienstleistungen. Verdient wird hiermit noch nicht substanziell, der Bereich könnte zukünftig jedoch stark wachsen.

 

Quelle: Unternehmenspräsentation

 

Erst Mitte November hatte das Unternehmen angekündigt, dass man das Cloud-Unternehmen Verafin für 2,75 Milliarden Dollar übernehmen wird. Verafin bietet für mehr als 2.000 Finanzinstitute eine Plattform, die Geldwäsche und Betrug aufdeckt, untersucht und meldet. Der Ansatz hierbei stützt sich stark auf künstliche Intelligenz und Daten, die auf einem ganzheitlichen Ansatz zur Bekämpfung von Finanzkriminalität beruhen. Nach Abschluss der Übernahme wird die Plattform mit den bereits bestehenden Angeboten, wie der Nasdaq Trade and Market Surveillance und Nasdaq Automated Investigator ergänzt. Das Unternehmen erweitert und diversifiziert so nicht nur seine Geschäftstätigkeit, sondern hat so auch die Möglichkeit, die Geschäftsbeziehungen zu großen Finanzinstituten zu vertiefen, woraus man sich weitere Synergieeffekte erhofft.

 

Die Market Services schließlich umfassen das Geschäft, was man in allererster Linie mit einem Börsenbetreiber verknüpft, nämlich den Aktien- und Derivatehandel, das Clearing und Trade Management Services. Dieser Bereich unterliegt dann auch schwankenden Einnahmen, da er von der vorhandenen Handelsaktivität abhängig ist. Wird mehr gehandelt, verdient die Nasdaq Inc. mehr Geld. Dies kann zu dem Effekt führen, dass das Unternehmen bei stark fallenden Kursen überproportional verdient, da in derartigen Marktphasen besonders viel gehandelt wird. Zu diesem Segment zählen auch die Einnahmen der Börsen in den europäischen Nordländern, die zur Firma gehören.

 

In der folgenden Grafik ist gut ersichtlich, wie vor allem das volatile Börsenjahr 2020 für höhere Umsätze im Segment Market Services geführt hat.

 

Quelle: Unternehmenspräsentation

 

Über fast alle Segmente hinweg ist das Unternehmen in der Lage stabiles Wachstum zu erreichen. Vor allem im Bereich Market Technology besteht erhöhtes Wachstumspotenzial. Hier wird es darauf ankommen, wie das Unternehmen in der Lage ist, kluge Zukäufe zu tätigen und diese dann in die vorhandenen eigenen Systeme integrieren kann. Lediglich der Bereich Market Services unterliegt größeren Schwankungen, was jedoch nur wenig beeinflusst werden kann.

 

Quelle: Unternehmenspräsentation

 

 

Die Fundamentaldaten

Die Nasdaq Inc. wächst kontinuierlich und stetig. Das Umsatzwachstum der vergangenen 5 Jahre lag bei durchschnittlich 10,6 %. Das EPS-Wachstum lag sogar bei bei durchschnittlich 17,2 %.

 

Quelle: Traderfox

 

Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 setzte eine Konsolidierung ein, was sich sowohl auf der Umsatzseite, als auch in den Gewinnen niederschlug, die stagnierten. Nachdem im Jahr 2016 eine Talsohle erreicht war, stiegen in den Folgejahren sowohl Umsatz als auch Gewinne an.

 

Die Stagnationsphase von 2008 bis 2016 machte sich auch im Aktienkurs bemerkbar. So dauerte es nach 2008 bis zum Jahr 2015, bis das nächste Hoch erreicht werden konnte.

 

Quelle: Traderfox

 

Danach setzte eine Rallye ein, die sich lediglich kurz unterbrochen durch den Coronacrash, seither fortgesetzt hat.

 

Die Bilanz ist solide, die Verschuldung bewegt sich in vertretbarem Rahmen. Weiteres Potenzial für Zukäufe ist gegeben.

 

Quelle: Traderfox

 

Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt bei etwa 23,5 Milliarden Dollar. Gegenüber der Konkurrenz, wie beispielsweise der Deutschen Börse AG verfügt die Nasdaq Inc. über ein deutlich höheres Umsatzwachstum. Bei der Marge gerät das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz (Deutsche Börse AG oder ICE) jedoch ins Hintertreffen. Dies liegt unter anderem am Segment Market Technology, welches noch keine nennenswerten Gewinne abwirft. Hier sollte in den kommenden Jahren allerdings großes Potenzial bestehen, sowohl die Margen, als auch das Ergebnis zu verbessern.

 

Quelle: Traderfox

 

Aus 1.000 im Jahr 2002 investierten Dollar wären bis heute etwa 9.600 Dollar geworden. Die durchschnittliche Performance, die man in den letzten 10 Jahren mit der Aktie erzielen konnte, lag bei über 17 %.

 

Im Fastgraph ist erkennbar, dass seit dem Jahr 2012 eine durchgehende Steigerung des Gewinns je Aktie erzielt werden konnte. Nach den Prognosen sollte sich diese Steigerung fortsetzen. Das aktuelle KGVe liegt bei knapp über 23 und damit nur leicht über dem historischen KGV von 22.

 

Quelle: Fastgraphs

 

Die Dividende

Das Unternehmen zahlt seit dem Jahr 2012 eine Dividende. Diese wurde danach in jedem Jahr erhöht. Die durchschnittliche Steigerungsrate seit dem Jahr 2012 liegt oberhalb der 20 %. Hierbei ist allerdings anzumerken, dass die letzten beiden Erhöhungen deutlich geringer ausfielen. Die letzte Erhöhung fand im April 2020 statt. Die Quartalsdividende wurde um 4,3 % von 0,47 Dollar je Aktie auf 0,49 Dollar je Aktie erhöht.

 

Quelle: Fastgraphs

 

Die Payoutratio liegt bei gesunden knapp 30 % und lässt weiteren Spielraum für Steigerungen. Nach den nächsten Quartalszahlen im April sollte hier die nächste Erhöhung bekannt gegeben werden. Die Dividendenrendite liegt momentan bei 1,4 %. Sie bewegt sich damit im langfristigen Mittel.

 

Quelle: Traderfox

 

 


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Trade Republic kann ich als Broker guten Gewissens empfehlen. Neben vielen ETFs sind hier auch 1.000 Aktien sparplanfähig. Das Ganze ist ab 10 Euro je Aktie möglich und kostenfrei. Falls du noch kein Depot bei Trade Republic hast, kannst du dir hier eines eröffnen.

 

 

 

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Fazit

Für mich ist die Nasdaq Inc. ein Dividendenwachstumstitel. Keine Kursrakete, die in kurzer Zeit eine hohe Rendite abwerfen wird, aber ein qualitativ hochwertiges Unternehmen, das über weitere Wachstumsmöglichkeiten verfügt. Die Risiken sind überschaubar, da sich das Unternehmen in einem stark regulierten, oligopolistischen Markt bewegt.

 

Ich selbst bin in den Titel investiert und halte momentan 53 Aktien. Die Position soll in Zukunft weiter ausgebaut werden.

 

Jetzt würde ich gerne wissen? Findet ihr Börsenbetreiber interessant oder habt ihr vielleicht ein oder mehrere Unternehmen aus diesem Bereich selbst im Depot? Ich freue mich auf eure Kommentare.

 


Quelle der Grafiken und Bilder: Unternehmenswebsite, Fastgraphs, Traderfox

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4 Gedanken zu „Investieren in die Schaufelverkäufer – Der Börsenplatzbetreiber Nasdaq Inc.

  1. Theodor Antworten

    Schau Dir auch mal MarketAxess Holdings an. Die bringen den elektronischen Handel im Bondmarkt voran. Überaschenderweise ist der noch nicht so weit “elektrifiziert” wie der Aktienmarkt. Die Wachstumszahlen übertreffen die von Nasdaq, dafür ist die Dividendenrendite deutlich niedriger.

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