Ich kaufe Berkshire Hathaway Aktien: Der bessere ETF?

Erst im März hatte die Aktie von Berkshire Hathaway ein neues Allzeithoch erreicht. Während der breite Aktienmarkt mit Verlusten zu kämpfen hatte, konnte Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft seit Jahresanfang um knapp 10 % zulegen. Diesen Monat habe ich mir eine Tranche der Aktie ins Depot gelegt und gleichzeitig einen monatlichen Sparplan gestartet.

 

 

Geschäftsmodell von Berkshire Hathaway

 

Über Warren Buffett und Berkshire Hathaway sind unzählige Bücher geschrieben worden. Auf Youtube gibt es außerdem eine Vielzahl an Videos zur Firma. Viel neues kann ich dieser Stelle nicht dazu beitragen, deshalb nur kurz eine Zusammenfassung der Geschäftstätigkeit.

 

Warren Buffett hatte 2010 in einem Interview bei CNBC den Erwerb von Berkshire Hathaway in den 1960er Jahren als einen seiner größten Investmentfehler bezeichnet. Letzlich übernahm er die Firma nämlich wegen eines Zerwürfnisses mit dem damaligen CEO des Unternehmens Seabury Stanton. Mit diesem hatte er vereinbart, dass Stanton die von Buffett gehaltenen Aktien zum einem Preis von 11,50 Dollar zurückkaufen würde. Das offizielle schriftliche Angebot lautete dann allerdings anders als vereinbart auf nur 11,375 Dollar. Buffett, der sehr auf Ehrlichkeit und partnerschaftliches Miteinander Wert legt war darüber erzürnt. Er nahm das Angebot nicht an und kaufte stattdessen massiv weitere Aktienpakete an Berkshire. 1965 übernahm er schließlich die Kontrolle über die Firma, Stanton musste gehen. Wer mehr über die Geschchte erfahren möchte kann dies sehr anschaulich in der Biografie „Das Leben ist wie ein Schneeball“* von Alice Schroeder über Warren Buffett nachlesen.

 

Zum Zeitpunkt des Kaufs war Berkshire ein reines Textilunternehmen. Die Branche war im Niedergang, in Entwicklungsländern wurde günstiger produziert und eine nach der anderen Firma aus dem Textilsektor in den USA musste schließen. Zwar führte Buffett diese Sparte noch knapp 20 Jahre weiter und schloss die letzte Produktionsstätte erst Mitte der 1980er Jahre. Bereits drei Jahre nach Übernahme der Kontrolle über das Unternehmen begann er jedoch bereits das erste Versicherungsunternehmen National Indemnity zu kaufen.

 

Heute ist Berkshire Hathaway eine Beteiligungsholding, die zum einen eine Vielzahl an Unternehmen unter einem Dach vereinigt und zum anderen ein Investmentportfolio hält, das 330 Milliarden Dollar stark ist.

 

 

Die Holding

 

Unter dem Dach von Berkshire tummeln sich mittlerweile über 100 Unternehmen die jeweils zu fast 100 % zu Berkshire gehören. Buffett belässt beim Kauf einer Firma das bestehende Management (oftmals aus der Gründerfamilie) am Ruder. Teilweise halten diese weiterhin einen kleinen Anteil am Unternehmen. Das besondere dabei ist, dass Buffett sich nur sehr wenig einmischt. Die Firmen können eigenständig handeln und Entscheidungen treffen ohne sich eine Erlaubnis einholen zu müssen. Die Holdinggesellschaft ist aus diesem Grund sehr schlank. Am Hauptsitz in Omaha arbeiten nur wenige Menschen. Vertrauen wird großgeschrieben. Buffett mischt sich in der Regel nur dann ein, wenn ein neuer CEO gefunden werden muss. Ansonsten liegt die Hauptaufgabe in der Zentrale und bei Buffett bei der Entscheidung über die Verwendung der Gewinne und Cashflows der gehaltenen Unternehmen.

 

Die Unternehmen im Bestand stammen in der überwiegenden Zahl aus den Sektoren Versicherung bzw. Rückversicherung, Infrastruktur und Industrie sowie Einzelhandel und Dienstleistungen. Mehrheitlich also aus Sektoren, bei denen ein stabiler Cashflow herrscht. Den Kernpunkt bildet der Versicherungsbereich. Hier werden Versicherungsprämien eingenommen, entstandene Schäden müssen erst zu einem späteren Zeitpunkt ersetzt werden. In der Zwischenzeit kann das Unternehmen mit den eingenommen Prämien, auch Float genannt, arbeiten. Berkshire investiert diese Gelder in den Ankauf neuer Firmen oder in sein Investmentportfolio.

 

Neben dem Versicherungsgeschäft gehören zum Konglomerat unter anderem die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF). Die Übernahme im Jahr 2009 hatte ein Volumen von 44 Milliarden Dollar. Weitere bekannte Unternehmen, die zu Berkshire gehören sind Dairy Queen, Scott Fetzer, Fruit of the Loom, MidAmerican Energy, Net Jets oder Geico. Man könnte auch sagen, ein Investment in Berkshire Hathaway bietet einen Querschnitt der amerikanischen Wirtschaft, sozusagen ein USA-ETF.

 

 

Das Investmentportfolio

 

Neben den Unternehmen, die als Ganzes zu Berkshire gehören, umfasst das Investmentportfolio derzeit 44 Unternehmen. Der mit Abstand größte Anteil davon ist in Apple investiert. Die Position ist mehr als 157 Milliarden Dollar groß und macht damit fast 50 % des Aktienportfolios von Berkshire aus.

 

Die 10 größten Position im Investmentportfolio zum Stand 31.12.2021; Quelle: Dataroma

 

Bei den Aktieninvestments geht Buffett sehr konzentriert vor. Zwar befinden sich 44 Titel im Bestand, die TOP 10 umfassen jedoch bereits fast 90 % des Gesamtporfolios. Seinen Invesmtmentgrundsätzen bleibt er dabei seit Jahrzehnten treu. Am liebsten hält Buffett Aktien für immer, bei Neuerwerbungen wird auf Qualität zu angemessenen Preisen geachtet.

 

Warren Buffett ist mittlerweile 91 Jahre, sein kongenialer Partner Charlie Munger bereits 98 Jahre. Immer wieder steht die Frage im Raum, was nach dem Ableben der beiden mit Berkshire passiert und ob danach nicht die Berkshire-Kultur verloren geht. Doch hier ist bereits vorgesorgt. Seit mehreren Jahren verwalten Todd Combs und Ted Weschler bereits einen Teil des Investmentportfolios. Auf ihr Konto geht beispielsweise der Kauf von Amazon-Aktien im Jahr 2019. Diese werden ganz im Sinne von Buffett und Munger das Depot weiterführen. Greg Abel, der derzeitige stellvertretende Vorsitzende des Nicht-Versicherungsgeschäfts wird den CEO-Posten übernehmen, der derzeit stellvertretende Vorsitzende des Verschicherungsbereichs Ajit Jain wird Vize-Chef von Berkshire werden.

 

 

Cashbestand

 

Buffett hält seine Kriegskasse beisammen. Ende 2021 betrug der Barbestand fast 150 Milliarden Dollar. In der Regel wird das Geld in kurzlaufende Staatsanleihen angelegt, ist also jederzeit schnell verfügbar. Dabei beweist Buffett Sitzfleisch. Investiert wird nur bei guten Gelegenheiten. Er benötigt somit auch kein Fremdkapital, um Übernahmen zu tätigen. Gerade erst wurde bekannt gegeben, dass Berkshire den Versicherer Alleghany für über elf Milliarden Dollar übernimmt. Der Kauf kann sozusagen aus der Portokasse gezahlt werden.

 

Eine weitere Verwendungsmöglichkeit des hohen Cashbestands sind Aktienrückkäufe. Auch hier geht Buffett nach einem strengen Plan vor. Rückkäufe werden nur dann getätigt, wenn die Aktie nach dem Dafürhalten ihres CEOs angemenssen bepreist ist.

 

 

Wo kann man die Berkshire Aktie im Sparplan kaufen?

 

Consors*
Scalable Capital*
Trade Republic*
ING*
Comdirect*

 

 

Warum kaufe ich jetzt Berkshire Aktien?

 

Im April habe ich mir eine Tranche von 15 Berkshire B-Aktien ins Depot gelegt (was es mit den B-Aktien auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen). Zusätzlich läuft ab diesem Monat ein kleiner monatlicher Sparplan um die Position sukzessive aufzustocken.

 

Betrachtet man die Entwicklung des S&P 500 im Vergleich zur Berkshire Aktie über die vergangenen 10 Jahre erkennt man einen relativen Gleichlauf.

 

10-Jahres-Performance Berkshire Hathaway und S&P 500 (Total Return); Quelle: SeekingAlpha

 

Dies verwundert nicht unbedingt. Die Anlagestrategie von Berkshire zeigt über lange Zeiträume, dass in Zeiten sehr guter Börsenphasen (wie in den letzten zehn Jahren) keine Überperformance von Berkshire erwartet werden kann. Werden die Zeiten allerdings schwieriger, kann das Unternehmen seine Vorteile ausspielen. Nach meiner persönlichen Ansicht könnten wir gerade in eine derartige Phase hineinlaufen.

 

Kann ich es wissen? Natürlich nicht. Sollte ich aber Unrecht haben, fühle ich mich mit Berkshire-Aktien in meinem Depot trotzdem sehr wohl.

 

 

Auf einen Blick

 

Einer meiner Lieblingsfinanzblogs ist Divantis von Ben Warje. In seinen Artikeln taucht am Ende immer ein Überblick über seine Aktienposition auf. Dies möchte ich gerne in Zukunft auch mit einbauen. Deshalb an dieser Stelle vielen Dank für die Inspiration Ben!

 

Unternehmen: Berkshire Hathaway (B-Aktie)

ISIN: US0846707026

WKN: A0YJQ2

Im Depot seit: 21.04.2022

Stückzahl im Depot: 15

⌀ Kaufkurs: 322,62 Euro

Gesamtkaufpreis: 4.839,30 Euro

Aktuelle Strategie: Nachkaufen per Sparplan

 

Wies stehst du zur Aktie von Berkshire Hathaway. Bist du investiert?

 

 


Buchempfehlungen zu den Themen des Beitrags*

 

 


 

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Hinweis nach §34 WpHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Der Autor hält derzeit Aktien von Berkshire Hathaway.

 

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7 Gedanken zu „Ich kaufe Berkshire Hathaway Aktien: Der bessere ETF?

  1. Stefan Antworten

    Wer Berkshire mit Ausschüttung haben will sollte sich den Closed end fund STEW ins depot legen. Der Fonds hält A und B als Top Position.

      • Carsten Nickel Antworten

        …ich hab Berkshire vor längerer Zeit eine Position aufgebaut. Ab diesem Jahr hab ich erstmal den Plan mir eine pro Monat zu “gönnen ”
        Ich hab immer noch einen durchschnittskurs von 195 Euro.
        Ich halte Berkshire ebenfalls für eine großartige Investition die sich auch insbesondere durch Transparenz und (gefühlt) Ehrlichkeit dem Einteilseingner gegenüber auszeichnet.
        In diesem Sinne, stabil investiert bleiben.

        • Beamteninvestor Autor des BeitragsAntworten

          Hi Carsten,

          das gefällt mir mit dem eine Aktie m Monat gönnen. Könnte ich mir auch bei einigen Aktien gut vorstellen

  2. Witali Antworten

    Hi Benjamin,
    willkommen im “Berkshire Aktionärs-Kreis” 🙂
    Meiner Meinung nach aktuell etwas teuer im Vergleich zum S&P, aber was besser performt sieht man immer erst nachher.
    Wie stehst du zu einem Nachkauf bei Alphabet, die Position ist ja bei dir noch nicht so groß und sie sind aktuell ein gutes Stück günstiger bewertet als Berkshire?

    • Beamteninvestor Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Witali,

      da gebe ich dir recht. Habe hier allerdings erst im Januar nachgekauft und will die Position derzeit in dem Rahmen wie sie ist belassen.

      Grüße,
      Ben

  3. Mathias Antworten

    Hi Ben,
    super Beitrag! Ich habe die Aktie noch nicht im Depot, finde sie aber sehr spannend. Eventuell doch mal mit einem kleinen Sparplan beginnen, mal sehen. Ich denke auch, dass es gerade in der aktuellen Marktphase kein schlechter Titel ist.
    Liebe Grüße,
    Mathias

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