Dividendenaristokrat und Techunternehmen in einem: Automatic Data Processing

Automatic Data Processing (ADP)
IT-Service-Unternehmen
Sitz USA
Marktkapitalisierung 63,8 Milliarden Dollar
Enterprise Value 64,9 Milliarden Dollar
Verschuldung 1,1 Milliarden Dollar
Dividendenrendite 2,5 %
Tickersymbol ADP
WKN 850347
Datum 25.07.2020

 

Im letzen Artikel habe ich mich mit dem Thema Dividendenaristokraten genauer auseinander gesetzt und die Vorstellung einer meiner Favoriten aus diesem Bereich angekündigt. Es ist Automatic Data Processing (ADP). Das Unternehmen ist ein waschechter Aristokrat mit einer Historie von 44 Jahren mit jährlich steigender Zahlung. Gleichzeitig bewegt sich die Firma in einem Wachstumsmarkt mit guten Zukunftsaussichten.

 

Geschäftsmodell

1949 gründeten Henry Taub und sein Bruder Joe Automatic Payrolls Inc. als Unternehmen für manuelle Lohn- und Gehaltsabrechnung. Frank Lautenberg schloss sich den Brüdern in den Kinderschuhen des Unternehmens an und wurde 1952 dessen Vorstand. 1957 wurde Lautenberg nach erfolgreichem Vertrieb und Marketing ein vollwertiger Partner der beiden Brüder. 1957 begann das Unternehmen, Großrechner und Lochkarten für die Lohnabrechnungen zu verwenden und benannte sich in diesem Zuge in den heutigen Namen Automatic Data Processing Inc. um. 1961 ging das Unternehmen mit 300 Kunden, 125 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 400.000 US-Dollar an die Börse. 1965 eröffnete ADP eine Niederlassung im Vereinigten Königreich und erwarb 1974 das Unternehmen Time Sharing Limited (TSL), seinerzeit ein Pionier im Bereich digitaler Rechenprozesse. Lautenberg war weiterhin Vorsitzender und CEO, bis er 1982 aus New Jersey in den Senat der Vereinigten Staaten gewählt wurde.

 

1985 überschritt der jährliche Umsatz von ADP erstmals die 1-Milliarde-US-Dollar-Grenze. Zu dieser Zeit war das Unternehmen bereits für 20 Prozent der Gehaltsabrechnungen in den USA verantwortlich. In den 1990er Jahren konzentrierte sich ADP verstärkt darauf, seinen Kunden Business Process Outsourcing anzubieten. Zudem expandierte ADP weiter im europäischen Markt und akquirierte zahlreiche Unternehmen im Vereinigten Königreich, Deutschland, Frankreich und anderen Ländern. Unter anderem wurde die deutsche Firma Autonom und das Personaldienstleistungsunternehmen GSI erworben. 1998 wurde das in Großbritannien ansässige Chessington Computer Centre übernommen , das für die britische Regierung Verwaltungsdienstleistungen erbrachte .

 

Kerridge Computer Co. Ltd., ein Anbieter von Händlermanagementsystemen (DMS) für Autohändler, hauptsächlich in Großbritannien, wurde im Jahr 2006 übernommen. 2007 wurde die ADP Brokerage Service Group ausgegliedert, um Broadridge Financial Solutions Inc. zu gründen. Im Jahr 2017 erwarb ADP die Marcus Buckingham Company (TMBC) , die eine wissenschaftliche Methode entwickelt haben, um das Engagement und die Leistung von Mitarbeitern zu messen. TMBC und sein Gründer Marcus Buckingham sind Pioniere bei der Nutzung von Daten und Forschung, um Talentmanagementpraktiken voranzutreiben, die Managern helfen, Engagement aufzubauen und die Leistung in ihren Teams zu steigern. Ihr einzigartiger Ansatz ermöglicht es Managern, Mitarbeiter anhand ihrer Stärken zu coachen und Teams basierend auf diesen Stärken individuell zu gestalten.

 

Im Oktober 2017 erwarb ADP Global Cash Card , ein führendes Unternehmen für digitale Zahlungen, einschließlich Paycards und anderer elektronischer Konten. Mit dieser Akquisition hat ADP eine branchenführende proprietäre Plattform für die digitale Zahlungsabwicklung gewonnen, die Kunden und ihren Mitarbeitern Innovationen und Mehrwertdienste ermöglicht, sowie eine große, diversifizierte Kundenbasis, die ein konstantes Wachstum aufweist. Im Januar 2018 erwarb ADP WorkMarket , ein in New York City ansässiges Softwareplattformunternehmen, das Unternehmen bei der Verwaltung von Freiberuflern, Auftragnehmern und Beratern unterstützt. Mit dieser Akquisition baute ADP sein Portfolio branchenführender Lösungen für die Lohn- und Gehaltsabrechnung und das HR-Management weiter aus.

 

2020 wurde die Firma auf der Fortune 500-Liste der größten US-Unternehmen nach Umsatz auf Platz 227 eingestuft. ADP wurde 14 Jahre in Folge in die Liste der weltweit am meisten bewundertsten Unternehmen des FORTUNE Magazine aufgenommen und von DiversityInc 11 Jahre in Folge als eines der Top-Unternehmen für Vielfalt und Inklusion in den USA anerkannt.

 

 

ADP beschäftigt heute weltweit rund 58.000 Mitarbeiter und ist mit rund 810.000 Kunden eines der weltweit größten unabhängigen IT-Service-Unternehmen und gilt als führender Anbieter von HR-Services wie Personalabrechnung, Zeiterfassung und Reisekostenmanagement. Im Geschäftsjahr 2019 erzielte ADP weltweit einen Umsatz von knapp 14,2 Milliarden Dollar. Die Firma besteht aktuell aus den zwei Geschäftsbereichen  ADP Employer Services und ADP Dealer Services. ADP Employer Services stellt mit mehr als 580.000 Kunden den bedeutend größeren der zwei Geschäftsbereiche dar. Laut Unternehmensangaben erfolgt beispielsweise in Deutschland jede fünfte Personalabrechnung mit Produkten von ADP. Trotz allem werden etwa 80 % der Umsätze in den USA erwirtschaftet. Es besteht also weiterhin großes Wachstumspotenzial. Langfristiges Ziel des Unternehmens ist eine cloudbasierte Lösung, in der alle angebotenen Leistungen abgedeckt werden können. Zielgruppe sind Unternehmen jeglicher Größenklasse. An Bestandskunden gibt es sowohl kleine Unternehmen mit nur einer Handvoll Mitarbeiter bis hin zu Großunternehmen mit mehreren 100.000 Mitarbeitern. Hier liegt auch ein wesentlicher Vorteil gegenüber Mitbewerbern, die sich beispielsweise auf kleine oder mittelgroße Unternehmen spezialisiert haben.

 

Oftmals fungiert ADP als First-Mover und bestimmt die Entwicklungen der Branche wesentlich mit.

 

Vielen Investoren dürfte das Unternehmen darüber hinaus, als Herausgeber des viel beachteten ADP-Arbeitsmarktberichts sein, der monatlich publiziert wird. Hier werden die US-Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft veröffentlicht. Der Bericht stützt sich dabei auf etwa 400.000 US-Unternehmen mit rund 25 Millionen Beschäftigten und ähnelt der Methodik des US-Arbeitsministeriums, das den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht normalerweise zwei Tage später veröffentlicht. Der ADP-Bericht gilt als recht guter Indikator für die Zahlen der Regierung.

 

 

Fundamentaldaten

Die Fundamentaldaten sind bei ADP durch die Bank sehr gut. Sowohl der Gewinn, als auch der operative und der Free Cashflow sind  über Jahrzehnte hinweg steigend. Hat ADP einmal einen Kunden gewonnen, sind die Wechselkosten sehr hoch. Tendenziell ist der Kundenstamm deshalb sehr gleichbleibend. Das sorgt für planbare Umsätze was uns Investoren wiederum freut. Das durchschnittliche Gewinnwachstum der vergangenen 20 Jahre lag bei etwa 7,5 %.

 

 

 

 

Beschränkt man den Betrachtungszeitraum auf die vergangenen fünf Jahre, ist eine Beschleunigung des Wachstums ersichtlich. Personalrechtliche Fragestellungen sind kompliziert und zeitaufwendig. Dazu braucht es viele Kenntnisse im Steuer- und Sozialversicherungsrecht. Die Fallstricke sind hier vielfältig. Geeignetes Personal zur Abwicklung der anstehenden Arbeiten kann immer schwieriger aquiriert werden. Aus diesem Grund geht der Trend zum Outsourcing und Vergabe dieser Arbeiten an spezialisierte Firmen. Dies lässt sich an den Ergebnissen von ADP ablesen. Seit 2015 liegt das Gewinnwachstum bei weit über 10 %. Hierin einberechnet sind bereits die die Analystenschätzungen von 2020 bis 2022. Coronabedingt wird mit einer Verlangsamung gerechnet, bevor die Gewinne 2022 wieder ansteigen sollen.

 

Nimmt man lediglich die Jahre 2015 bis 2020 in die Betrachtung, leigt der jährliche Durchschnitt bei etwa 15 %. Das sind Zahlen eines Wachstumsunternehmens. Dabei ist die Verschuldung relativ moderat, das Unternehmen verfügt über ein Top-Rating von AA.

 

 

 

 

Nun taucht ADP jedoch in der Liste der Dividendenaristokraten auf und wird nicht in erster Linie als Wachstumsunternehmen gesehen. Seit 44 Jahren wird eine jährlich steigende Dividende gezahlt. Diese wurde in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 12,8 % jährlich erhöht. Mite einem Investment in ADP konnte seit 2015 eine jährliche Durchschnittsrendite von 14,6 % erzielt werden und somit deutlich mehr als beim S&P 500 mit 10,9 %.

 

 

 

 

Die guten Zahlen sorgen dafür, dass ADP im Tradefox-Qualitätscheck (der im übrigen hier kostenlos genutzt werden kann) 14 von 15 möglichen Punkten erreicht.

 

 

 

 

Der Markt, in dem sich ADP bewegt ist durchaus umkämpft. Einer der größten Konkurrenten ist Paychex. Deren Angebot beschränkt sich jedoch eher auf kleinere bis mittelgroße Unternehmen. Bei Großunternehmen ist ADP der unangefochtene Platzhirsch. Unternehmen wie Workforce oder Paycom sind deutlich kleiner und bieten keine ganzheitlichen Lösungsansatz wie ADP. Dagegen sind diese jedoch wesentlich agiler und im Digitalbereich ein gutes Stück weiter. Cloudbasierte Lösungen sind dort bereits an der Tagesordnung. Hier ist ADP aus meiner Sicht jedoch auf einem guten Weg, den bestehenden Rückstand aufzuholen.

 

Kurstechnisch kann sich das Unternehmen ebenfalls sehen lassen. Nach einer Durststrecke in den Jahren zwischen 2001 bis 2010 kennt der Chart nur den Weg nach Norden.

 

Wo liegt nun der Haken? Aus meiner Sicht gibt es wenig, was gegen ADP spricht. Die Bewertung ist mit einem KGV von derzeit knapp 26 nicht günstig, aus meiner Sicht jedoch angemessen. Qualität kostet ihren Preis und den bin ich bereit, bei ADP zu zahlen. Das Risiko einer Marktverdrängung würde ich als relativ gering einschätzen. Der Markt ist groß genug, um Platz für Wettbewerber zu lassen. Sollten die coronabedingten Auswirkungen länger anhalten, könnte eine Erholung auf neue Hochs durchaus eine längere Zeit auf sich warten lassen. Diese Zeit wird einem jedoch mit einer Dividende von derzeit knapp 2,5 % versüßt.

Am 29. Juli 2020 hat ADP seine Ergebnisse für das 4. Quartal 2020 (versetztes Geschäftsjahr) gemeldet. Die Analystenschätzungen wurden dabei geschlagen, der Ausblick wurde von Seiten des Unternehmens allerdings gesenkt. Das hat dafür gesorgt, dass die Aktie in den zwei Tagen nach der Bekanntgabe etwa 10 % verloren hat. Am langfristigen Ausblick zum Unternehmen hat sich für mich jedoch nichts geändert.

 

Fazit

ADP ist für mich ein sehr interessantes Investment und einer der besten US-Dividenden-Aristokraten. Ich bin derzeit mit knapp 52 Stücken investiert und werde meine Position in den nächsten Jahren weiter ausbauen, sollten sich keine grundlegenden Änderungen am Geschäftsmodell ergeben.

 

ADP ist bei der Consorsbank sparplanfähig. Wenn ihr über den Empfehlungslink ein Konto bei der Consorsbank eröffnet, erhaltet ihr 20 Euro Prämie für den ersten Sparplan.

 

Sparplan

 

Bei der Comdirect kann das Unternehmen ebenfalls im Sparplan erworben werden.

 

 

Jetzt bin ich auf eure Meinung gespannt. Seid ihr ebenfalls investiert oder findet das Unternehmen interessant? Ich freue mich auf Kommentare.

 


Quelle der Grafiken und Bilder: Unternehmenswebsite, Fastgraphs.com, Traderfox.de

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4 Gedanken zu „Dividendenaristokrat und Techunternehmen in einem: Automatic Data Processing

  1. Andreas Antworten

    Hallo,

    sehr schöne Analyse. ADP ist inzwischen auch in meiner engeren Auswahl vor allem nach dem Rücksetzer in der letzten Woche.
    lg
    Andreas

    • Beamteninvestor Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Andreas,

      danke dir für deinen Kommentar. Der Rücksetzer bietet eine schöne Möglichkeit zum Einstieg.

      Grüße,
      Ben

  2. Dominique Bauer Antworten

    Klasse Analyse + Unternehmen, habe nach dem Ruecksetzer eine erste Position aufgebaut!

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