Dividendenaristokrat und Wachstumsaktie – gibt es das überhaupt?

Als Einkommensinvestor dauert es meist nicht lange, bis man über das Thema “Dividendenaristokraten” stolpert. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren ihre Dividenden jedes Jahr gesteigert haben. Für den US-amerikanischen Markt ist die David-Fish-Liste das Maß aller Dinge, was die Suche nach diesen Unternehmen angeht. In einem vergangenen Beitrag hatte ich diese bereits einmal vorgestellt.

 

Wenn man nun die Diskussionen um die Aristokraten genauer betrachtet, trifft man immer wieder auf zwei Fronten. Die einen, die Investitionen in Aristokraten als die einzig wahre Möglichkeit ansehen, dauerhaften Cashflow über Dividenden zu erwirtschaften. Dem gegenüber steht die andere Front derer, die unentwegt propagieren, dass diese Dividendentitel schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt und in der Masse zu untergehenden Branchen gehören. Dazwischen gibt es meist nicht viel.

 

Was stimmt denn nun? Wer hat recht? Nähern wir uns dem Thema mal mit nackten Fakten!

 

Performance von Dividendenaristokraten

Der einfachste Vergleich kann meist über Exchange Traded Funds (ETFs) erfolgen. Nehmen wir also einen handelsüblichen ETF auf den MSCI World und vergleichen diesen mit einem ETF, der die globalen Dividendenaristokraten beinhaltet.

 

Als Startzeitpunkt ist das Jahr 2013 gewählt. Bis zum Beginn des Jahres 2017 ist ein relativer Gleichlauf der beiden ETFs im Chart ersichtlich, wenn auch mit leichten Vorteilen für den MSCI World. Ab dann driftet der Chart jedoch deutlich auseinander. Den Hochpunkt vor dem coronabedingten Abverkauf erreichten beide am 17.02.2020. Hier war der MSCI World jedoch bereits weit enteilt. Während dessen Performance seit 2013 bei knapp 120 % lag, lag der ETF auf die globalen Dividendenaristokraten bei lediglich 82 %, eine Differenz also von 38 %. Da beide die Dividenden ausschütten, können diese im Vergleich unter den Tisch fallen.

 

 

Quelle: Fondsweb.com

 

 

Noch weiter geht die Performance auseinander, wenn man die Erholung nach dem Abverkauf in den Blick nimmt. Diese fällt beim MSCI World deutlich dynamischer aus als bei den Aristokraten. Während die Performance des MSCI World seit 2013 nun fast wieder bei 100 % notiert, verharrt der Aristokraten-ETF im Tief und erreicht lediglich ein Kursplus von knapp 30 %. Die Differenz ist also auf mittlerweile fast 70 % angewachsen.

 

Was ist nun aber drin in den beiden Fonds? Der MSCI World vereinigt mehr als 1.600 Unternehmen aus insgesamt 23 Industrieländern in einem Investmentvehikel. Auch alle Aristokraten sind daran vertreten, wenn natürlich auch mit wesentlich geringerer Gewichtung als im Global Dividend Aristocracts ETF. Dieser vereint lediglich knapp 100 Unternehmen unter einem Dach. Man könnte jetzt argumentieren, dass dieser Vergleich nicht fair ist. Insgesamt 65 % des MSCI World besteht aus US-amerikanischen Aktien, während es im Global Dividend Aristocrats ETF lediglich 40 % sind. Gleichzeitig sind bei den Aristokraten fast 27 % des Volumens dem Finanzsektor zuzuordnen, der besonders gebeutelt wurde, im MSCI World sind es nur knapp 13 %.

 

Suchen wir uns also einen etwas faireren Vergleich. Da die größte Anzahl an Dividendenaristokraten in den USA zu finden sind, bietet sich ein entsprechender US-Vergleich an. Hierfür stellen wir einen S&P 500 ETF einem ETF, der die US Dividend Aristocrats beinhaltet gegenüber. Schon sieht das Bild etwas anders aus. Wir sehen ein relativ gleichlaufendes Bild in den letzten fünf Jahren, wobei hier sogar leichte Vorteile für die Aristokraten zu verbuchen waren. Es kurz vor dem Coronacrash zog der S&P 500 etwas davon, bei der anschließenden Erholung nach dem Crash zeigt sich das gleiche Bild wie oben. Der S&P500 erholte sich wesentlich dynamischer. Mittlerweile beträgt die Differenz auf 5-Jahres-Sicht hier ebenfalss satte 54 % (S&P 500: + 203 %; US Aristocrats: +149 %). Ein Vergleich zwischen dem MSCI USA und den US Dividend Aristocrats kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

 

Quelle: Fondsweb.com

 

 

Was ist also das Ergebnis dieses Vergleichs? Dass Aristokraten Underperformer sind und gemieden werden sollten? Aus meiner Sicht der falsche Ansatz. Ich halte es für gefährlich, aus dem derzeitigen Performanceunterschied voreilige Schlüsse zu ziehen. Bleiben wir bei dem Beispiel USA. 54 % sind beträchtlich, allerdings resultiert diese Differenz fast ausschließlich aus dem Jahr 2020, welches durch Corona durchaus als Sondersituation gelten kann. Da man beim Investieren einen längeren Zeithorizont braucht, sind Sechs-Monats-Vergleiche aus meiner Sicht nicht angebracht.

 

Darüber hinaus erachte ich ETF-Vergleiche auf unterschiedliche Indizes für problematisch. Natürlich erkenne ich auf einen Blick Performanceunterschiede. Ohne Hinterfragen der Gründe könnte man allerdings zu falschen Schlüssen kommen. Die fünf größten Unternehmen im S&P 500 sind Microsoft, Apple, Amazon, Facebook und Alphabet. Alleine diese fünf Unternehmen machen fast 20 % des Index aus. Untersucht man jetzt genauer, welche Unternehmen die Kurstreiber der Rallye seit Mitte März sind, kommt man eben wieder auf diese fünf Unternehmen. Ein Großteil der restlichen 495 Unternehmen des S&P 500 notiert auf Jahressicht weiterhin im Minus. Die großen Techfirmen zahlen alle nun entweder keine Dividende, oder bei weitem nicht lange genug, um in den Bereich eines Aristokratenstatus zu kommen. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass der Aristokraten-ETF in der Entwicklung zurückbleibt.

 

Zieht man als Vergleich einen anderen ETF heran, nämlich den Russell 2000 der eben 2000 US-Small-Caps abdeckt, gewinnt der US Dividend Aristocrats ETF bei der Performance deutlich.

 

 

 

Wir sehen also: Es gibt sowohl Licht als Schatten. Weder sind Aristokraten als No-Brainer-Investment zu sehen, noch sind sie Underperformer, die es unbedingt zu meiden gilt!

 

 

Zwei Beispiele für Dividende und Wachstum

Als unersättlicher Investor hätte ich nun natürlich trotzdem gerne alles. Eine stabil steigende Dividende, die seit vielen Jahren erhöht wird und gleichzeitig ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell, das weiterhin Wachstum verspricht. Mit einem ETF bekomme ich das Ganze nicht unbedingt hin. Aber ich kann mir Einzeltitel aus den Dividenden-Aristokraten auswählen, die diese Kriterien meiner Meinung nach erfüllen. Zwei dieser Titel möchte ich kurz vorstellen.

 

S&P Global

Die S& P Global Inc. firmierte vor April 2016 als McGraw Hill Financial Inc. und vor 2013 als McGraw-Hill Companies. Die Hauptgeschäftsfelder sind Finanzinformationen und -analysen. Das Unternehmen ist die Muttergesellschaft von S&P Global Ratings, S&P Global Market Intelligence und S&P Global Platts , CRISIL , und der Mehrheitseigner des Joint Ventures S&P Dow Jones Indices. Die Vorgängerunternehmen von S&P Global haben eine Geschichte, die bis ins Jahr 1888 zurückreicht.

 

Das Geschäft ist in vier Teilbereiche untergliedert:

  • S&P Global Ratings bietet unabhängiges Investment Research einschließlich Ratings für verschiedene Anlageinstrumente.
  • S&P Global Market Intelligence ist ein Anbieter von Daten, Research, Nachrichten und Analysen für mehrere Anlageklassen und in Echtzeit für institutionelle Anleger , Investment- und Geschäftsbanken, Anlageberater und Vermögensverwalter, Unternehmen und Universitäten.
  • S&P Dow Jones Indices wurde am 2. Juli 2012 eingeführt und ist die weltweit größte Ressource für indexbasierte Konzepte, Daten und Forschung. Der Geschäftsbereich produziert den S&P 500 und den Dow Jones Industrial Average. S&P Dow Jones Indices berechnet über 830.000 Indizes, veröffentlicht Benchmarks, die die Grundlage für 575 ETFs weltweit mit einem investierten Vermögen von 387 Milliarden Dollar bilden und dient als DNA für 1,5 Billionen Dollar des weltweit indexierten Vermögens.
  • S&P Global Platts mit Hauptsitz in London ist ein Informationsanbieter und eine Quelle für Benchmark-Preisbewertungen für die Märkte Rohstoffe, Energie, Petrochemie , Metalle und Landwirtschaft. Das Unternehmen verfügt über Niederlassungen in mehr als 15 Städten, beispielsweise in London , Dubai , Singapur und Houston sowie über internationale Geschäftszentren in São Paulo , Shanghai und New York.

 

Das Unternehmen zahlt seit 1974, mittlerweile im 47. Jahr ununterbrochen eine jährlich steigende Dividende. Mit Sicht auf die letzten 10 Jahre konnten die Gewinne um durchschnittlich knapp 16,5 % jährlich gesteigert werden. Der Coronacrash wurde schnell abgeschüttelt, die Aktie erreicht ein Allzeithoch nach dem anderen. Die Bewertung ist mittlerweile allerding ziemlich davongelaufen. Der hohe Kurs sorgt dafür, dass die Dividendenrendite einen neuen Tiefststand erreicht hat un nur bei etwa 0,75 % notiert.

 

 

 

Mit einem Investment in die Firma konnte man den S&P 500 in den vergangenen Jahren deutlich outperformen. Die durchschnittliche Rendite lag bei jährlich 28,8 %, die Dividendensteigerung betrug im Mittel 12,2 %.

 

 

Auch in den Folgejahren wird mit deutlichem Wachstum gerechnet. Einziger Wehrmutstropfen ist die hohe Verschuldung, die in den letzten Jahren stark angestiegen ist.

 

Stryker

Zweiter im Bunde ist das Medizintechnik-Unternehmen Stryker. Das Produkt-Portfolio der Firma umfasst Implantate, chirurgische Ausrüstung und Navigationssysteme, Endoskopiesysteme, medizinische Notfallausrüstung, neurochirurgische, neurovaskuläre und spinale Geräte sowie andere Medizinprodukte, die in einer Vielzahl von medizinischen Fachgebieten verwendet werden.

 

In den USA werden die meisten Produkte von Stryker direkt an Ärzte , Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen vermarktet . International werden Stryker-Produkte in über 100 Ländern über firmeneigene Vertriebsniederlassungen und Niederlassungen sowie über Dritthändler und -vertreiber verkauft.

 

Stryker unterteilt sein Geschäft in drei Bereiche: Orthopädie, Medizin und Chirurgie (MedSurg) sowie Neurotechnologie und Wirbelsäule.

  • Orthopädieprodukte bestehen hauptsächlich aus Implantaten, die bei Hüft- und Kniegelenkersatz sowie bei Operationen an Traumata und Extremitäten eingesetzt werden.
  • Zu den MedSurg-Produkten gehören chirurgische Geräte und Instrumentedie in einer Vielzahl von medizinischen Fachgebieten verwendet werden.
  • Die Produkte von Stryker Neurotechnology and Spine umfassen ein Produktportfolio, das sowohl neurochirurgische als auch neurovaskuläre Geräte umfasst. Das Angebot an Neurotechnologie umfasst Produkte für minimalinvasive endovaskuläre Techniken sowie eine Reihe von Produkten für traditionelle chirurgische Eingriffe an Gehirn und offener Schädelbasis, orthobiologische und biochirurgische Produkte, einschließlich synthetischer Knochentransplantate und Produkte zur Wirbelvergrößerung, sowie minimalinvasive Produkte für die Behandlung von akutem ischämischem und hämorrhagischem Schlaganfall. Stryker entwickelt, produziert und vermarktet auch Produkte für Wirbelsäulenimplantate, einschließlich zervikaler, thorakolumbaler und Interbody-Systeme, die bei Wirbelsäulenverletzungen, Deformitäten und degenerativen Therapien eingesetzt werden.

 

Stryker kauft immer wieder kleinere Unternehmen und Wettbewerber auf und weitet so sein Prduktportfolio aus. Dabei ist das Wachstum sehr kontinuierlich und stetig. In 2020 wird mit einem Ergebnisrückgang gerechnet, da aufgrund von Corona viele nicht zwingend notwendige Operationen abgesagt wurden. Man geht jedoch davon aus, diese Delle bereits 2021 wieder ausbügeln zu können. Selbst mit dem Gewinneinbruch kommen wir voraussichtlich auf knapp 10 % Gewinnwachstum jährlich seit 2013. Auf Sicht von 20 Jahren liegt dieser Wert sogar bei knapp 15 %.

 

 

Stryker verfügt über ein A- Rating, was sehr solide ist. Seit 2013 ist mit 18,9 % eine deutliche Outperformance gegenüber dem S&P 500 mit 12,9 % zu verzeichnen. Die Dividende wurde im Schnitt um 13,1 % jährlich gesteigert.

 

 

Mit aktuell 1,2 % ist die Dividendenrendite wie bei S&P Global nicht sonderlich hoch. Sie wird allerdings seit 27 Jahren gesteigert. Stryker ist damit ebenfalls Mitglied der Dividendenaristokraten.

 

 

Fazit

Also was nun: Dividendenaristokraten kaufen oder nicht? Nun, es kommt darauf an!

 

Ich persönlich bin ein Freund von Einzeltiteln. Wie im Artikel gezeigt wurde, gibt es hier einige Perlen, nach denen man tauchen kann. Hier ist langfristiges Dividendenwachstum in Kombination mit Unternehmenswachstum durchaus zu finden. Meist haben diese Titel zwar eine niedrige Dividendenrendite, es ist jedoch wie so oft im Leben: Qualität hat seinen Preis.

 

Zur Transparenz sei angemerkt, dass ich selbst in Stryker investiert bin. Im nächsten Artikel stelle ich euch einen meiner derzeitigen Favoriten aus dem Pool der Aristokraten vor.

 

Stryker ist bei der Consorsbank sparplanfähig. Wenn ihr über den Empfehlungslink ein Konto bei der Consorsbank eröffnet, erhaltet ihr 20 Euro Prämie für den ersten Sparplan.

 

Sparplan

 

Bei der Comdirect kann Stryker ebenfalls im Sparplan erworben werden.

 

 

Jetzt bin ich gespannt auf eure Meinung zu den Dividendenaristokraten. Schreibt mir gerne einen Kommentar dazu.

 

 


Quelle der Grafiken und Bilder: Fastgraphs.com

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2 Gedanken zu „Dividendenaristokrat und Wachstumsaktie – gibt es das überhaupt?

  1. Alex Antworten

    Es gibt schon einige gute Dividenden Aristokraten mit denen man ordentliche Renditen in der Vergangenheit einfahren konnte. Die Frage ist welche werden auch in den nächsten Jahren gut abschneiden? Durch die ganzen Verwerfungen in Folge der Corona Krise ist das nicht so einfach zu beantworten.

    Einige mögliche Kandidaten mit Vorbehalt wären:

    Carlisle (Dividendewachstum 10 J. Von 11,1%, wollten bis 2025 ihren Umsatz von 4,8 Mrd. $ 2019 auf 8 Mrd. $ und EPS von 8,21 $ auf 15+ $ steigern, wegen der Corona Krise sicher nicht mehr zu schaffen),

    T Rowe Price (schuldenfrei, “langweilig” und sehr solide),

    Cintas (Ø Performance letzte 10 Jahre 27,70 %, 10 Year Growth Rate (CAGR) Dividende von 18,5%),

    Nordson (Performance letzte 10 Jahre 19,72 %),

    Lowe’s (Ø Performance letzte 10 Jahre 21,41 %, Dividendenwachstum 10J. von 19,6%),

    Jack Henry&Associates (Ø Performance letzte 10 Jahre 21,38 % und ist schuldenfrei),

    McGrath RentCorp (3% Divrendite, seit 29 J. Die Dividende erhöht mit 11% CAGR),

    Computer Services (EPS CAGR* – 10.3% 10 J., angeblich seit 49 J. die Dividende erhöht und ist schuldenfrei),

    Roper Technologies (Ø Performance letzte 10 Jahre 20,80 %),

    A.O.Smith???.

    • Beamteninvestor Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Alex,

      danke für deinen Kommentar. Eine schöne Auswahl hater du uns da zusammengestellt.

      Vor allem Jack Henry finde ich sehr interessant. Hatte ich auch schon mal im Depot, leider wieder verkauft. Könnte ich mich heute noch in den Hintern beißen deswegen. Jetzt ist der Kurs leider schon sehr weit gelaufen.

      Beste Grüße,
      Ben

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