Der ewige Kampf an der Börse: Value vs. Growth

Es ist die ewige Frage an der Börse: Was ist besser? Value oder Growth? Gibt es überhaupt ein richtig oder falsch? Warum denn eigentlich nicht beides.

 

Klären wir zu Beginn einmal die Begrifflichkeiten. Unter dem Begriff “Value” werden in der Regel Substanzaktien verstanden. Titel also, die eine niedrige Bewertung mit wenig spektakulären Aussichten haben. Solide, aber nicht mit dem Nimbus eines potenziellen Ten-Baggers versehen. Oftmals handelt es sich dabei um etablierte Dividendenzahler aus der “Old Economy”. “Growth” Aktien dagegen zaubern ein Funkeln in die Augen von Anlegern. Die Aktien sind oftmals hoch bewertet, von den Unternehmen wird ein starkes Wachstum erwartet. Viele Technologieaktien tummeln sich in diesem Teich. In den letzten Jahren war ein Großteil der Berichterstattung von den großen FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google) geprägt, die ausnahmslos dem “Growth”-Lager angehören.

 

Zugegeben, die Zuordnung ist sehr vereinfacht und verkennt die vielen Facetten, die beim Investieren eine Rolle spielen  und beachtet werden sollten. Aber irgendwo muss man ja anfangen.

 

 

 

Value vs. Growth – Ein Vergleich

Die letzten Jahre waren aus Performancesicht eindeutig die Jahre der Growth-Titel. Wer im Jahr 2015 in Technologieaktien aus dem S&P 500 investiert hat, konnte damit eine deutliche Überrendite im Vergleich zum gesamten S&P 500 erzielen.
 
 
 
 
 

Der zweitbeste Sektor der “Nicht-Basiskonsumgüter” hängt bereits deutlich zurück.

Das bedeutet nun allerdings nicht, dass Growth-Aktien immer überlegen sein müssen. Die folgende Grafik zeigt die Kursentwicklungen des MSCI World Value und MSCI World Growth im Vergleich.

 

Quelle: Bank für Vermögen

 

Ausgehend von 1990 ist zu erkennen, dass Value-Aktien in der Zeit der Dot-Com Blase deutlich hinter den Growth-Titeln zurück geblieben sind. Nach dem Platzen der Blase liefen Value-Titel deutlich besser, bevor nach der Finanzkrise Wachstumsunternehmen wieder die Oberhand bekamen. Dieser Trend hält seither an.

Aus dem Ergebnis der letzten Jahre sollte man nun allerdings nicht den Fehler begehen, dieses in die Zukunft fortzuschreiben. Bei einer Langfristbetrachtung fällt auf, dass in der meisten Zeit in den vergangenen 100 Jahren die Value-Titel vorne lagen.

 

Quelle: Star Capital, Aktien-Mag

 

Eine zeitweise Outperformance von einer der beiden Gattungen ist wie wir sehen also nicht besonderes. Besonders ist allerdings die Wucht, mit der Growth-Aktien mittlerweile nach oben laufen. Dies hat sich im Jahr 2020 und vor allem nach dem Corona-Crash noch beschleunigt.

 

Quelle: Aktien-Mag, Goldman Sachs

 

Die Outperformance von Growth dauert nun mittlerweile 12 Jahre an. Viele Anleger rechnen mit einer zeitnahen Geldrotation in Value-Titel. Allerdings warten viele Anleger davon schon seit mehreren Jahren.

 

Es ist wie so oft: Wann es soweit sein wird, wissen wir alle nicht.

 

 

Persönliche Strategie

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiss um meine Strategie. Man könnte mich als klassischen Value-Investor mit Dividendenfokus bezeichnen (genaueres zur Strategie findet ihr hier).  Diese Strategie verfolge ich seit Januar 2017 und tracke die Ergebnisse auch entsprechend.

 

Zwar befinden sich auch einige Growth-Titel in meinem Depot, der überwiegende Teil des Depots ist jedoch in Value-Aktien angelegt. Darüber hinaus ist ein nicht unbeträchtlicher Teil in Hochdividendentitel wie REITs und BDCs investiert. Dies hat nun mittlerweile dafür gesorgt, dass mein relativer Performance-Gleichklang mit dem S&P 500 mittlerweile zu einer deutlichen Underperformance geführt hat. Was also tun?

 

In den letzten Wochen und Monaten habe ich viel über meine Anlagestrategie nachgedacht. Corona hat sozusagen gezeigt, was im Depot solide ist und was nicht. Nach reiflicher Überlegung bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen:

 

Ich konnte während des Markteinbruchs im März sehr gut schlafen. Die Aussicht auf weiter fließende Dividenden lässt mich nicht in Panik geraten, was wichtig ist für ein Durchhalten der Strategie.

 

Welche Titel in meinem Depot sind seit 2017 am besten gelaufen? Auf den ersten 8 Plätzen liegen ausnahmslos Technologieaktien. Erst auf Platz 9 findet sich mit der Bank OZK der erste Titel der „Old Economy“ (den ich erst in der Zeit des Corona-Crashs gekauft habe).

 

Ich bin überzeugt, dass Corona für einen Digitalisierungsschub auf der Welt sorgen wird. Trotz der mittlerweile (zumindest in Teilen) sehr hohen Bewertung von Techaktien glaube ich weiter an eine Outperformance dieses Sektors in den nächsten Jahren.

 

Heißt das jetzt, dass ich meine Strategie ändere? Klare Antwort: NEIN! Der Fokus wird weiterhin auf Dividendentiteln und der Steigerung des monatlichen Cashflows liegen. Aber: Ich werde meine Strategie erweitern.

 

In den letzten Wochen habe ich aus diesem Grund insgesamt 11 Technologieaktien ins Depot aufgenommen. Die Beträge sind alle nicht sonderlich hoch. Die meisten davon zahlen keine Dividende. Hierfür wurden keine Werte verkauft, das Depot wurde um diese Titel erweitert.

 

Auf Sicht sollen 10-20 % des Depots in Wachstumstiteln angelegt sein (wobei die Definition hier, wie oben schon ausgeführt, sehr unterschiedlich ausfallen kann). Da ich mit 37 Jahren noch einen langen Anlagehorizont habe, kann ich gut damit leben, dass für diesen Anteil erstmal keine Dividenden fließen.

 

 

Neues Wachstum im Depot

Die Reihenfolge der 11 Unternehmen beinhaltet keinerlei Wertung.

 

1. Facebook

 

 

Das erste der neuen Unternehmen ist das uns allen wohlbekannte Facebook.

 

Alle, die bei Instagram oder WhatsApp unterwegs sind, nutzen ein Produkt von Facebook mehr oder weniger häufig.

 

Darüber hinaus ist Facebook das derzeit größte Soziale Netzwerk weltweit.

 

Umsätze generiert das Unternehmen durch Werbung. Möglichkeiten dazu sind die Facebook Ads, mit denen Facebook im Auftrag von Geschäftstreibenden gezielt auf Profilseiten werben kann. Was jeden Einzelnen interessiert, wird durch die bekannten „Like-Buttons, durch Angaben zu Interessen und Arbeitsplätzen und durch Informationen zu Alter, Geschlecht und Bildung deutlich. Damit ist der Konzern in der Lage, äußerst kundenspezifisch zu werben. Eine weitere Werbemöglichkeit sind „Sponsored Stories“: ein Restaurant, das auf Facebook empfohlen wird, kann beispielsweise diesen Post kaufen und in der Freundesliste von Usern weiterverbreiten.

 

Im Jahr 2014 wurde für 16 Milliarden Dollar WhatsApp erworben. Hier steht eine Monetisierung weiterhin aus, die zu einem deutlichen Wachstumsschub führen könnte.

 

Das Unternehmen wird immer wieder von Skandalen erschüttert, so z.B. der Cambridge Analytica Skandal im Rahmen der US-Wahl 2016. Derzeit wird dem Unternehmen vorgeworfen, zu wenig gegen Hass und Diskriminierung zu tun. Mehr als 100 Unternehmen haben aus diesem Grund ihre geschaltete Werbung auf den Plattformen von Facebook gestoppt. Ich gehe jedoch davon aus, dass sich diese Probleme lösen werden.

 

 

 

2. Adobe

 

 

Adobe Inc. ist ein US-amerikanisches Softwareunternehmen. Der Konzern bietet Software, mit dem Kunden digitale Inhalte erstellen, veröffentlichen und die Wirkung messen können. Zum Angebot gehören Grafik- und Bildbearbeitungsprogramme, Audio- und Videoschnittsysteme und Webanalyse-Tools. Einige der bekanntesten Produkte sind Photoshop, Acrobat, Flash und Dreamweaver. Die Software von Adobe Systems Inc. wird an Hardwarehersteller, Softwareentwickler und Dienstleister sowie an Individualkunden und die Werbeindustrie geliefert. Die integrierten Softwarelösungen werden von Unternehmen aller Größen eingesetzt.

 

Das Unternehmen wurde bereits im Jahr 1982 gegründet. Im Langfristchart ist erkennbar, dass zur Zeit der Dot-Com-Blase ein Höchststand erreicht wurde, bevor eine längere Phase von rückläufigen Kurswerten einsetzte. Erst kurz vor der Finanzkrise wurde das alte Hoch wieder erreicht.

 

Seit dem Jahr 2014 wachsen die Umsätze jährlich stark an, im Schnitt über 20 % jährlich. Der Gewinn wurde auf Sicht von 5 Jahren um durchschnittlich knapp 50 % gesteigert. Gleichzeitig konnten die Margen stark gesteigert werden.

 

Die Performance auf 10-Jahres-Sicht liegt im Schnitt bei über 32 %. Aus 1.000 investierten Dollar im Jahr 1986 wären bis heute über 2,1 Millionen Dollar geworden.

 

 

 

3. Booking Holdings

 

 

Booking Holdings (ehemals The Priceline Group) ist ein US-amerikanischer Reiseanbieter, der sich auf Hotel- und Flugbuchungen im Internet spezialisiert hat. Über die Plattformen Booking.com, Priceline.com und über die Agoda-Webseiten können Hotelreservierungen, Flugtickets oder Mietwagen gebucht werden. Zudem werden Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Destinationsservices angeboten. In Zusammenarbeit mit den Partnerfirmen Booking.com, Agoda und Travel Jigsaw bietet der Konzern ein umfassendes Angebot, das die Planung und Buchung einer Reise erleichtern soll.

 

Über die verschiedenen Webseiten und eine umfassende Werbekampagne mit prominenten Werbeträgern erreicht das Unternehmen Kunden auf der ganzen Welt. Das global agierende Unternehmen bietet innerhalb der USA außerdem das sogenannte „Name-Your-Own-Price-Prinzip“. Bei diesem auktionsähnlichen System definiert der Kunde z.B. ein Urlaubsziel und den Preis, den er bereit ist, für eine Hotelübernachtung zu zahlen. In einer Rückwärtsauktion bieten dann Hotels darum, den Zuschlag zu bekommen. Zudem werden sogenannte Pricebreaker Deals offeriert, die im Sinne von Last-Minute-Angeboten günstige Flüge, Hotels, Pauschalreisen oder Kreuzfahrten präsentieren.

 

Fast 90 % der Umsätze werden außerhalb der USA erwirtschaftet. Dabei stammen etwa 95 % der Einnahmen aus Provisionen.

 

Das Unternehmen ist sehr stark von Corona getroffen. Im Aktienkurs spiegelt sich das nicht wirklich wieder, da sich die Aktie seit dem Coronatief bereits wieder stark erholt hat. Ich persönlich gehe davon aus, dass Booking jedoch langfristig einer der Profiteure der Krise wird. Einkäufe (und Reisebuchungen) werden sich wahrscheinlich weiter ins Internet verlagern. Der Marktanteil des Unternehmens ist bereits heute sehr stark.

 

Die Performance auf 10-Jahres-Sicht liegt im Schnitt bei 19 %.

 

 

 

4. Jack Henry & Associates

 

 

Die Nr. 4 ist der Softwareanbieter Jack Henry & Associates. Wobei man bei diesem Titel darüber streiten kann, wie man Wachstum definiert. Die Firma zahlt seit 30 Jahren eine jährlich steigende Dividende, ist also ein Dividendenaristokrat.

 

Jack Henry & Associates wurde 1976 von John Henry und Jerry Hall gegründet. Die Firma bietet Technologielösungen und Zahlungsverarbeitungsdienste hauptsächlich für Finanzdienstleistungsunternehmen an.

 

Das Kernsegment konzentriert sich auf zentrale Informationsverarbeitungsplattformen für Banken und Kreditgenossenschaften, die aus integrierten Anwendungen bestehen die zur Verarbeitung von Einlagen-, Kredit- und Hauptbuchtransaktionen sowie zur Pflege zentralisierter Kunden- oder Mitgliedsinformationen erforderlich sind.

 

Im Segment Zahlungen werden Tools und Dienste für die Zahlungsabwicklung, z. B. Geldautomaten-, Debit- und Kreditkartenabwicklungsdienste angeboten. Daneben werden weitere Leistungen wie Online- und mobile Rechnungszahllösungen angeboten.

 

Das Unternehmen ist so etwas wie ein Hidden Champion. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei etwa 15 Milliarden Dollar, was für ein US-Unternehmen nicht unbedingt viel ist. Dabei ist die Firma gleichzeitig schuldenfrei.

 

Ich hatte die Firma bereits einmal im Depot, leider jedoch wieder verkauft. Das soll mir nicht noch einmal passieren.

 

Die Gewinnsteigerungsrate über die letzten 10 Jahre liegt bei etwa 10 %. Von einem reinrassigen Growth-Unternehmen kann man also nicht mehr sprechen. Ich persönlich rechne das Unternehmen trotzdem zu meinem Wachstumsanteil, weil ich noch einiges an Potenzial sehe. Letztendlich ist die Zuordnung aber auch nicht maßgeblich.

 

Die Performance auf 10-Jahres-Sicht liegt im Schnitt bei knapp 22 %. Aus 1.000 investierten Dollar im Jahr 1985 wären bis heute knapp 460.000 Dollar geworden.

 

 

 

5. ASML Holding

 

 

Die Nummer 5 der Wachstumsunternehmen ist das niederländische Unternehmen ASML.

 

Die ASML Holding wurde 1984 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Veldhoven in den Niederlanden.

 

Das Unternehmen stellt international Hightech-Systeme für die Halbleiterindustrie her. Angeboten werden Lithographie-Systeme, die vor allem für die Fertigung von komplexen integrierten Schaltkreisen eingesetzt werden.

 

Als einer der weltweit führenden Hersteller von Halbleiter-Equipments ist der Konzern im Entwurf, der Entwicklung, der Produktion und der Vermarktung aktiv und bietet ergänzend die dazugehörigen Dienstleistungen an. Der Kundenkreis umfasst die weltweit grössten Halbleiterhersteller. Darüber hinaus werden optische Bauteile und Systeme gefertigt für die Anwendung bei der Herstellung asphärischer Produkte wie Linsen und Spiegel sowie bei präzisen Messinstrumenten.

 

Produktionsbetriebe sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen befinden sich in den USA, Taiwan, Korea, China und in den Niederlanden. Weltweit ist der Konzern an über 60 Standorten in 16 Ländern aktiv.

 

Die Gewinnsteigerungsrate über die letzten 5 Jahre liegt bei etwa 18 %.  Die Performance auf 10-Jahres-Sicht liegt im Schnitt bei knapp 28 %. Aus 1.000 investierten Dollar im Jahr 2007 wären bis heute knapp 10.200 geworden.

 

 

 

6. Fiverr

 

Fiverr ist ein Online-Marktplatz für digitale Dienstleistungen. Das Unternehmen mit Firmensitz in Tel Aviv wurde 2010 gegründet und bietet freien Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre Dienstleistungen weltweit anzubieten. Seit der Gründung des Unternehmens wurden mehr als 50 Millionen Dienstleistungen auf Fiverr abgewickelt.

 

An der Börse ist das Unternehmen erst seit Mitte 2019 an der Börse und hat seither einen fulminanten Kursverlauf hingelegt.

 

Mittlerweile ist die Aktie mehr als sportlich bewertet. Trotz allem findet sich seit kurzem Zeit eine Mini-Position in meinem Depot.

 

Eine ausführliche Analyse zum Unternehmen findet ihr hier.

 

 

 

7. Pluralsight

 

 

Pluralsight ist ein Online-Bildungsunternehmen. Die Firma wurde 2004 in den USA gegründet. Ursprünglich als Offline-Schulungsunternehmen konzipiert, wurde ab 2007 der Schwerpunkt auf Online-Kurse und Trainings verlagert. Vermittelt wird vor allem Wissen aus dem Technologiebereich (u.a. aus den Bereichen Cyber-Security, künstliche Intelligenz oder Cloud).

 

Das Unternehmen bietet seine Leistungen im Abo-Service an, was für planbare Umsätze sorgt. Ein Großteil des Umsatzes wird über das Geschäft mit Unternehmen erwirtschaftet, der Anteil am Privatkundengeschäft ist eher gering. Dabei ist ein breites Spektrum an Kundschaft vorhanden. Ein Großteil der Fortune 500-Unternehmen ist Kunde bei Pluralsight. Das verwundert nicht, sind IT-Themen doch für alle Unternehmen relevant.

 

Neben Online-Kursen bietet das Unternehmen auch das Management-Tool „Pluralsight Flow“ an. Hier können Entwickler-Teams gemanagt werden und die Produktivität überwacht werden. Pluralsight hatte hierzu die Firma GitPrime für 170 Millionen Dollar übernommen.

 

Aus meiner Sicht ist das Unternehmen in einem absoluten Wachstumsmarkt tätig. Die Frage ist, welchen Burggraben man damit bauen kann. Bildungsanbieter können immer wieder neu auf den Plan treten. Pluralsight hat allerdings mit vielen Großunternehmen bereits Kooperationen und Verträge. Deshalb sollten sie sich zumindest einen deutlichen Vorsprung erarbeitet haben.

 

Das Unternehmen ist erst seit dem Jahr 2018 börsennotiert. Wer zum IPO investiert hat, sitzt heute auf einigen Buchverlusten. Die Umsätze steigen zwar mit etwa 30 % jährlich, leider wird momentan aber noch viel Geld verbrannt. Ein Invest in das Unternehmen ist also mit einigen Risiken behaftet.

 

 

 

8. InterActiveCorp

 

 

Die InterActiveCorp könnte als Technologie-Holding bezeichnet werden, obwohl sie sich selbst nicht als solche sieht. Gegründet wurde das Unternehmen ursprünglich bereits 1995 und hat seinen Sitz in New York.

 

Das Geschäftsmodell ist relativ einfach und sieht dabei so ähnlich aus wie das von Danaher. Attraktive Plattformunternehmen werden gekauft und unter dem Dach der IAC weiterentwickelt und profitabel gemacht. Danach werden die Firmen, zumeist im Rahmen eines Spin-Off wieder in ihre Eigenständigkeit entlassen.

 

Seit den 90er Jahren funktioniert dieses Geschäftsmodell sehr gut. Aus den Spin-Offs entstanden beispielsweise Firmen wie TripAdvisor oder Expedia.

 

Betrachtet man den Kursverlauf der Aktie, könnte man zunächst einen Schreck bekommen. Dieser hat sich im Juli innerhalb eines Tages knapp gedrittelt. Grund war hier jedoch der Spin-Off des weitaus größten Vermögenswerts von IAC. Die Match Group, die unter anderem die Dating-App Tinder betreibt, wurde in die Freiheit entlassen. Genau seit diesem Zeitpunkt finde ich die Aktie interessant. Der Anteil der Match Group machte knapp 80 % der Vermögenswerte von IAC aus, was einen erheblichen Klumpen darstellte.

 

Nach dem Spin-Off sind die Beteiligungen an ANGI Homeservices und an Vimeo die größten Beteiligungen. Darüber hinaus finden sich weitere spannende Unternehmen im Portfolio. Sollte IAC in der Lage sein, wie in den letzten 25 Jahren die Entwicklung ihrer Firmen im Portfolio zu pushen, ist aus meiner Sicht viel Potenzial bei der Aktie vorhanden.

 

 

 

9. Alteryx

 

 

Alteryxist ein Unternehmen für Self-Service-Datenanalyse und bietet eine Plattform, mit der Daten gefunden, verarbeitet und analysiert werden können und diese dann skalierbar bereitstellt und geteilt werden können.

 

Die Ursprünge des Unternehmens reichen in das Jahr 2007 zurück. Das Softwareprodukt Alteryx wurde im Jahr 2006 entwickelt, seit 2010 trägt auch die Firma diesen Namen.

 

Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, die gesamte Bandbreite der Datenanalyse mit einem Produkt abzudecken. Während andere Anbieter am Markt auf Teilbereiche des Datenmanagements spezialisiert sind, gibt es bei Alteryx alles. Zusätzlich wirbt das Unternehmen damit, dass die Plattform auch von Mitarbeitern genutzt werden kann, die keinen IT-Hintergrund haben.

 

Das Umsatzwachstum der Firma liegt oberhalb der 40 %. Nachdem im vergangenen Jahr erstmals ein positives EBIT verzeichnet werden konnte, wird für 2020 allerdings wieder mit einem negativen Ergebnis gerechnet.

 

Die Firma ist seit dem Jahr 2017 an der Börse und hat eine fulminante Kursentwicklung bis Ende 2019 hingelegt. Seitdem hat die Aktie bereits drei Mal stärkere Kursverluste hinnehmen müssen, zuletzt nach Bekanntgabe der letzten Quartalsergebnisse.

 

Wie einige andere der Titel ist Alteryx auch nach dem gefallenen Kurs noch sehr hoch bewertet. Weiteres Rückschlagspotenzial ist definitiv vorhanden.

 

Aus 1.000 investierten Dollar zum Börsengang sind bis heute knapp 7.000 Dollar geworden.

 

 

 

10. Nvidia

 

 

Die Nvidia Corporation ist ein führender Hersteller von IT-Hardware. Die Gesellschaft entwirft, entwickelt und vermarktet Grafik- und Medienkommunikationsprozessoren und ähnliche Software für PCs, Workstations und digitale Entertainmentplattformen. Das Unternehmen stellt eine Vielzahl von 3D-Graphikprozessoren her wie auch Graphikprozesseinheiten (GPUs), die bei Desktop-PCs, Smartphones, Tablets und Laptops eingesetzt werden.

 

Die 3D-Graphikprozessoren werden für eine Reihe von Anwendungen wie Spiele, digitale Bildverarbeitung und Internet- und Industriedesign benutzt. Die Graphikprozessoren sind architektonisch kompatibel zwischen Produktgenerationen ausgelegt, um Herstellern und Endnutzern niedrige Kosten zu gewährleisten. DasUnternehmen vertreibt ihre Produkte weltweit. Die Verkaufs- und Marketing-Teams des Unternehmens arbeiten eng mit PC-OEMs, Systemintegrierern, Motherboardherstellern und Add-in-Board-Herstellern zusammen.

 

Wichtige Partner des Unternehmens sind unter anderem Apple, Compaq, Dell, Fujitsu-Siemens, Gateway, HP, IBM, Packard Bell und Sony.

 

Nachdem das Unternehmen in den Jahren nach der Finanzkrise eine schwere Zeit durchmachen musst, kennt die Aktie seit einigen Jahren nur noch den Weg nach oben. Seit 2017 steigen die Gewinne stark an, nämlich um über 40 % jährlich.

 

Die durchschnittliche jährliche Performance der Aktie über die vergangenen 10 Jahre liegt bei knapp unter 50 %. Aus 1.000 investierten Dollar im Jahr 1999 wären bis heute etwa 310.000 Dollar geworden.

 

 

 

11. eXp World Holdings

 

 

Die eXp World Holding digitalisiert für Immobilienmakler deren Geschäft. So werden Software-Abonnements angeboten, die unter anderem Schulungen, eine Virtual Reality 3D-Büroumgebung und andere Tools anbieten. Das Ganze wird als Cloud-Lösung angeboten. Makler können so teure Büroräume einsparen und Kosten senken.

 

Das angebotene Produkt eXp Realty ist eine Plattform für Makler. Über diese können Häuser verkauft und Geschäfte abgewickelt werden. Daneben können auch Häuser gekauft und Immobilien gesucht werden.

 

Die Kundschaft umfasst bereits über 32.000 professionelle Immobilienmakler in den USA, wo fast der gesamte Umsatz erzielt wird. Expansionspotenzial ist hier also noch gegeben. Von 2018 bis 2020 wurde eXp Realty als eine der besten Arbeitgeber auf Glassdoor bewertet.

 

Das Umsatzwachstum über die letzten drei Jahre liegt bei durchschnittlich über 160 %. Nach Vorlage der letzten Quartalszahlen ist der Kurs der Aktie stark gestiegen. Das Unternehmen ist noch nicht profitabel, die Gewinnschwelle soll allerdings demnächst erreicht werden.

 

Die alles entscheidende Frage ist, wie das Entwicklungspotenzial der Firma ist. Die Anzahl an Immobilienfirmen ist endlich. Es wird also interessant sein zu sehen, ob eine Expansion über die USA hinaus erfolgt bzw. ob weitere Geschäftsfelder erschlossen werden. Ein Invest in die Firma ist mit deutlichen Risiken behaftet.

 

Aus 1.000 in 2013 investierten Dollars wurden bis heute 37.300 Dollar. Die durchschnittliche Kursperformance in den letzten sieben Jahre lag bei etwa 70%.

 

 

 

Fazit

Ich habe schon des Öfteren angemerkt, dass ich ein mieser Market-Timer bin. Insofern würde es mich nicht wundern, wenn zeitnah nach meinem Einstieg in die genannten Wachstumsunternehmen die Geldrotation einsetzt. Aber Spaß beiseite: Ich bin mir bewusst, dass viele der genannten Unternehmen sehr hoch bewertet sind. Allerdings wissen wir alle nicht, wie lange die Tech-Rallye noch anhalten wird. In ein paar Jahren sind wir alle schlauer.

 

Jetzt würde ich mich über Kommentare vo euch freuen. Was sagt ihr zu meinen Gedanke? Könnt ihr die Strategieerweiterung nachvollziehen oder hättet ihr ganz andere Unternehmen in Betracht gezogen?

 

 


 

Quelle der Grafiken: Traderfox.de

Alle Artikel auf beamteninvestor.de stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Die Informationen geben lediglich einen Einblick in die Meinung des Autors.

 


 

Buchempfehlungen zu den Themen des Beitrags*:

 

 


 

Bei denen mit einem *Stern gekennzeichneten Links handelt es sich um Affiliate Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ist der Preis genau der gleiche wie bei einem Direktkauf. Ihr habt durch die Benutzung des Links keine Nachteile, unterstützt aber meine Arbeit auf diesem Blog.

2 Gedanken zu „Der ewige Kampf an der Börse: Value vs. Growth

  1. Invest Diversified Antworten

    Servus 🙂

    Ja Erweiterung der Strategie mit spannenden Werten. Bei mir hat sich das ähnlich entwickelt mit ähnlichen Werten. Zwar liegt auch mein Fokus eher auf (Hoch-)Dividendenaktien, habe aber auch schon während des Tiefs im März/April “Growth” Aktien hinzugefügt. Bin auch mal gespannt wie sich das noch entwickelt. Werde meinen Blog, der sich Stand heute ja noch rein auf P2P fokussiert, auch dahingehend erweitern und berichten 🙂

    LG
    Philipp

  2. Alex H Antworten

    Moin,

    Ich kann die Strategieerweiterung absolut nachvollziehen. Genau das habe ich auch gemacht. Der Großteil meines Portfolios wird immer aus Dividendenaktien bestehen. Aber mittlerweile habe ich auch angefangen Wachstumswerte zu kaufen. Das Problem ist natürlich die krasse Überbewertung all dieser Aktien. Aus diesem Grund investiere ich nur sehr kleine Beträge. Das läuft entweder über einen Sparplan oder kleine Käufe über Degiro (der Broker ist wie prädestiniert um sich ein Wachstumsportfolio aufzubauen…50 Cent Gebühren pro Kauf für US-Aktien).

    Mit Aktien wie Facebook, Adobe oder Nvidia kann man nicht viel falsch machen. Aber auch Aktien wie Alteryx, Datadog, MongoDB, Epam, Splunk, Zscaler, Paycom Software, Ansys, The Trade Desk, Twillio, Okta, HubSpot, DocuSign, Elastic, Crowdstrike, Fastly oder Cloudflare usw. haben Potential. (Stichword: Data Center, Hybrid Cloud, Edge Computing, Big Data, CDNs, 3D-Software, VR/AR, 5G, Cybersecurity, Digital Twins, Datenbanken, Datenanalyse, Internet der Dinge, maschinelles Lernen usw. usw). Auch wenn diese Begriffe heutzutage inflationär verwendet werden, es ist die Zukunft!

    Veeva Systems finde ich auch sehr spannend. Veeva ist so etwas wie Salesforce nur im Bereich Life Science. Der Umsatzwachstum lag in den letzten Jahren bei über 30%. Die operative Marge lag im letzten Quartal bei 40%. Die Bewertung ist aber astronomisch.

    Oder allgemein Bereich Healthcare, Telemedizin, Robotik usw. Hier sind Aktie wie Teledoc, Livongo (bald ein Unternehmen), DexCom und Intuitive Surgical zu erwähnen.

    E-Commerce und Digital Payment ist zur Zeit eine ganz große Nummer und der Trend wird sich in Zukunft sicher noch verstärken, Corona hin oder her. Deshalb sind auch Aktien wie Amazon, MercadoLibre, Sea Limited, Etsy, Alibaba, Paypal, Square, Visa u. Mastercard usw. eine Überlegung Wert.

    Gaming und speziell Online Gaming gewinnt auch immer mehr an Bedeutung. Da setze ich auf Aktien wie Take-Two Interactive, Activison Blizzard, Sea Limited, Tencent, Microsoft usw.

    Und natürlich wäre die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Welt ohne die ganze Halbleiterindustrie nicht möglich. Hier versuche ich die ganze Industrie abzubilden, angefangen vom Design eines Chips bis hin zur Massenproduktion und Qualitätskontrolle. Solche Unternehmen wie Synopsis, Cadence Design, KLA Corp, Monolithic Power Systems, AMD, Texas Instruments, Broadcom, Applied Materials, ASML und Taiwan Semiconductor Manufacturing.

    Vor allem die Kombination aus ASML und TSM (die größte Chipfabrik der Welt) finde ich spannend. ASML ist zur Zeit das einzige Unternehmen auf Welt welches Anlagen für EUV-Lithografie herstellt (mit deutscher Unterstützen, der Laser kommt von der Firma Trumpf und die Optiken von Zeiss). Durch die kommenden Fertigungsverfahren im Bereich von 5,3, und 2 nm von TSM werden die Anlagen von ASML immer mehr an Bedeutung gewinnen. Und nicht zufällig steht die Hälfte aller weltweit verfügbarer EUV-Scanner bei TSM. Desweiteren kommen 60 Prozent aller mit EUV belichteten Wafer von TSM, die restlichen 40 Prozent gehen auf Samsung. Durch Fertigungsprobleme bei Intel wird TSM noch mehr an Bedeutung gewinnen.

    Meiner Meinung nach wäre es grob fahrlässig all diese Unternehmen links liegen zu lassen. Nur weil die meisten von ihnen gar keine oder nur eine kleine Dividenden zahlen. Und klar sind einige Aktien spekulativ und stark überbewertet. Und für viele braucht man sehr starke Nerven. Aber wie heißt es so schön, NO PAIN NO GAIN.

    MfG

    Alex

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.